Branche: Verarbeitendes Gewerbe (Erzeugung und Bearbeitung von Metallen | Präzisionsgießerei)
Linienfunktion: Finanzen (CFO)
Thema: Reporting, Unternehmenssteuerung,
Umsatz: 130 Mio. Euro
Mitarbeiter: 670
Ausgangslage
Auftrag war der Aufbau und die Führung einer leistungsstarken Finanzfunktion, die Verbesserung der finanziellen Transparenz sowie die Weiterentwicklung der Finanzorganisation im Hinblick auf SOX-Compliance, Prüfungsbereitschaft und belastbare Reporting- und Controllingstrukturen als Voraussetzung für einen erfolgreichen Börsengang (IPO) und eine nachhaltige Performance am Kapitalmarkt (IPO-Readiness).
Die Ausgangssituation war von mehreren, sich überlagernden Belastungen geprägt. Der testierte Jahresabschluss 2024 musste neu erstellt und testiert werden; parallel galt es, den Abschluss 2025 sicherzustellen. Zudem stand erstmals am Standort und in der Gruppe eine PCAOB-Prüfung an – ein Prüfungsregime, das besondere Anforderungen an Prozesse, Nachvollziehbarkeit und Dokumentation stellt.
Die Finanzfunktion war seit dem Weggang erfahrener Leistungsträger rund drei Jahre zuvor nachhaltig geschwächt. Das ERP-System INFOR LN war ohne vorherige Analyse der Prozesse und der Stammdatenqualität sowie ohne Einbindung der Finance-Funktion eingeführt worden, mit nicht befriedigendem Ergebnis. Parallel erfolgte die Umstellung vom Gesamtkostenverfahren (GKV) auf das Umsatzkostenverfahren (UKV) ohne das dafür erforderliche methodische Wissen und ohne geordnete Überleitung. Begleitet wurde das Mandat vor und während der Laufzeit durch einen FAAS-Service (Financial Accounting Advisory Services) einer Big-Four-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Eine Übergabe durch den Vorgänger erfolgte nicht, da dieser freigestellt worden war.
Befundlage
Mit Mandatsbeginn traf ich auf eine außergewöhnlich angespannte Governance- und Führungssituation, die im weiteren Verlauf zu einem Managementwechsel führte. Die Befunde in der Finanzfunktion ließen sich in mehreren Schwerpunkten zusammenfassen:
- Revisionssicherheit im Accounting nicht gegeben. Basisprozesse im Rechnungswesen waren nicht belastbar dokumentiert; das Anlagevermögen ließ sich nicht ausreichend nachweisen.
- Ergebnistransparenz eingeschränkt. Es bestanden Cut-off-Probleme in der Rechnungslegung sowie ergebniswirksame Sondersachverhalte, deren Identifikation und Bereinigung einen Ergebniseffekt von rund 5 Mio. Euro aufwiesen. Die vorliegenden Daten wurden vom damaligen Management teilweise bezweifelt und als „Finance-Daten" abgetan.
- Prozessdisziplin und Übergabe. Die Finanzfunktion war durch geringe Prozessdisziplin und fehlende belastbare Übergaben geprägt.
- Kernprozesse nicht etabliert. Ein gelebter Order-to-Cash-Prozess (O2C) war nicht vorhanden; im Purchase-to-Pay-Prozess (P2P) fehlten revisionssichere Abläufe.
- Offene Posten unklar. In den Kreditoren und Debitoren bestanden unklare Bestände, verursacht durch einen nicht gelebten Bestellprozess, eine instabile Produktionsplanung und -durchführung sowie weitere Sondersachverhalte in der Kundenbuchhaltung.
Maßnahmen
Aufbauend auf einer strukturierten Befundaufnahme setzte ich die Finanzfunktion unter hoher Unsicherheit wieder handlungsfähig. Die Arbeit konzentrierte sich auf fünf Schwerpunkte:
- Abschluss und Audit Readiness. Neuaufstellung und Testierung der Jahresabschlüsse 2024 und 2025 sowie Vorbereitung und Begleitung der erstmaligen PCAOB-nahen Prüfung am Standort
- SOX-Kontrollumfeld. Aufbau und Absicherung von internen Kontrollen in Abstimmung mit Corporate Finance, insbesondere im Beschaffungsbereich für Angebotsvergabe, Lieferantenauswahl und Risikomanagement
- Prozessetablierung. Einführung klarer, revisionssicherer Prozesse in Order-to-Cash und Purchase-to-Pay einschließlich definierter Verantwortlichkeiten und Nachweisdokumentation.
- Stammdaten und ERP. Nachbereitung der INFOR-LN-Einführung mit Fokus auf Stammdatenqualität und prozesskonforme Buchungs- und Auswertungslogik.
- Reporting und Controlling. Aufbau belastbarer Daten- und Prozessebenen für Kreditoren und Debitoren als Grundlage für eine transparente Ergebnisdarstellung.
Ergebnis
Das Mandat wurde planmäßig zum 30.06.2026 nach acht Monaten abgeschlossen. Die wesentlichen Ergebnisse:
- Testierte Abschlüsse 2024 und 2025 ohne Einschränkungen erstellt.
- Revisionssichere Prozesse in Order-to-Cash und Purchase-to-Pay eingeführt und umgesetzt.
- Abgestimmte Kontrollprozesse mit Corporate Finance für Beschaffung, Angebotsvergabe, Lieferantenauswahl und Risikomanagement etabliert.
- Signifikant verbesserte Transparenz in Kreditoren und Debitoren durch bereinigte Bestände und gelebte Prozesse.
- Belastbarere Datenbasis für zukünftige Aussagen zu Angeboten, Ergebnisprognosen, Budgeting und Forecast.
Einordnung
Das Mandat zeigt, dass gerade in compliance-sensitiven und prozessual instabilen Situationen die Kombination aus klarer Befundaufnahme, konsequenter Prozessetablierung und enger Einbindung von Corporate Finance die Voraussetzung für prüfungsfähige und entscheidungsrelevante Finanzzahlen schafft. Damit wurde die Grundlage für die weitere strategische Entwicklung des Unternehmens – einschließlich der angestrebten Kapitalmarktfähigkeit – wiederhergestellt.
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