UNITEDINTERIM Blog

Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

Takeover durch US Unternehmen führt zum Desaster

Branche: Maschinenbau & Betriebstechnik

Linienfunktion: Personal

Thema: Mergers & Acquisitions (Takeover), Reorganisation, Change Management, Agil

Umsatz: 42 Mio. Euro

Mitarbeiter: 120

Aufgabe

Ein deutsches Unternehmen, weltweit führender Anbieter in der Lasermaterialbearbeitung, wurde von einem US Unternehmen-gekauft. Damit einher ging ein enormer Kulturwandel: die ad hoc-Entwicklung von einem von deutschen Ingenieuren gegründeten Mittelstandsunternehmen zu einem toughen KPI- und Reporting-gesteuerten amerikanisch-deutschen Unternehmen. Da es im Vorfeld versäumt wurde, die Mitarbeiter auf diese Übernahme, auf die neue Unternehmensphilosophie und auf die neuen Prozesse transparent, adäquat und rechtzeitig vorzubereiten, entstanden Vorbehalte in der Belegschaft und die Übernahme wurde von dem größten Teil der Belegschaft abgelehnt. 60 % der Führungsmannschaft hatten ihre Kündigungen eingereicht. Dem folgten täglich eine Vielzahl von Kündigungen durch Produktionsmitarbeiter.

Die Laserproduktion kam ins Stocken und das Unternehmen konnte die Kunden nicht mehr beliefern, weil die entsprechenden Mitarbeiter fehlten. Die Nachbesetzung der täglich steigenden Vakanzen war schwerfällig. Die Anzahl der Kundenbeschwerden und Klageandrohungen stiegen an. Der General Manager wurde zunehmend stark von der Belegschaft kritisiert und geriet in den Burn-out.

Lösung: Einführung agiler Prozesse

Der größte Engpass waren die fehlenden Mitarbeiter. Als ersten Schritt modifizierte die Interim Managerin die operativen Prozesse, veränderte den Person-Job-Fit in ihrem Team, verschlankte den Rekrutierungsprozess und gestaltete die Entscheidungsprozesse agiler und effizienter. Sie führte u.a. ein „Speed-Dating" und ein darauf abgestimmtes Leistungsbewertungsverfahren im Produktionsbereich ein. Weiterhin rief sie ein wöchentliches Entfristungsgremium ins Leben. Darüber hinaus baute sie das HR-KPI-Reporting, das Gesundheitsmanagement, eine Weiterbildungs-Academy sowie das Vorschlagswesen auf und führte eine Mitarbeiterbefragung durch.

Die Interim Managerin veranlasste einmal wöchentlich stattfindende Standup-Meetings mit den Mitarbeitern, in denen über Neueinstellungen, die Auftragslage und neueste Entwicklungen im Unternehmen berichtet wurde, um so Transparenz und Vertrauen in die Geschäftsführung wieder herzustellen.

Ergebnis:

Diese Maßnahmen führten dazu, dass die Interim Managerin innerhalb von 3 Monaten 75 Vakanzen, inklusive der Leitungsstellen (Einkauf, Logistik, Werksleitung, Personal, Controlling), erfolgreich besetzen konnte. Die Stellenbesetzungsquote stieg in dieser Zeit um 400 %. Die Mitarbeiterfluktuation ging deutlich zurück. Der neue General Manager und der von der Interim Managerin eingearbeitete neue Leiter Personal konnten das Unternehmen weiter stabilisieren.

Gabriele Braeker
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Wundtstrasse 9a
14059 Berlin

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Case Studies

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Kommentare 3

Gäste - Christopher Seidel am Donnerstag, 27. August 2020 11:49

Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen ?

Super geschriebener und informativer Artikel :-). Eine sehr gute Aufstellung. In diesen Blog werde ich mich noch richtig einlesen ?
Michael Weimar am Mittwoch, 22. Juli 2020 10:41

Ein gutes Beispiel dafür wenn angelsächsische Unternehmen eine standardisierte Übernahme eines europäischen Unternehmens umsetzen.
Wenig (keine) Rücksicht auf kulturelle Gegebenheiten gepaart mit mangelnder Kommunikation-Strategie und lediglich KPI-getrieben.
Welch eine Ressourcen-, Motivations- und auch know how-Vernichtung, aber leider kein EInzelfall wie auch ich immer wieder feststellen muss.

Ein gutes Beispiel dafür wenn angelsächsische Unternehmen eine standardisierte Übernahme eines europäischen Unternehmens umsetzen. Wenig (keine) Rücksicht auf kulturelle Gegebenheiten gepaart mit mangelnder Kommunikation-Strategie und lediglich KPI-getrieben. Welch eine Ressourcen-, Motivations- und auch know how-Vernichtung, aber leider kein EInzelfall wie auch ich immer wieder feststellen muss.
Michael Weimar am Mittwoch, 22. Juli 2020 15:05

Was erfolgreiches Krisenmanagement angeht, sollten wir Europäer uns endlich auf unsere eigenen Stärken wieder besinnen. Die neuere Vergangenheit wie Wirtschaft- und Finanzkrise als auch Corona sollten uns gezeigt haben, dass wir das können.
Heerscharen von angelsächsisch geprägten Unternehmensberatern, mit immer neueren und angeblich wichtigen, erfolgversprechenden Skills und KPI-Strategien sollte nicht mehr blind geglaubt und vertraut werden. Entscheider/ Gesellschafter/ Investoren sollten endlich erwachsen werden und zur europäischen Kultur und Stärke wieder zurückfinden.
Bei meinen Mandaten komme ich mir oftmals wie ein "Kindergärtner für Erwachsene" vor und stelle immer wieder fest, dass Restrukturierungen, Effizienzsteigerungen, carve-outs etc. an den Basics/ Hausaufgaben scheitern.
Nimm die Mitarbeiter mit, insbesondere die Meinungsführer, erkläre ihnen die Situation und hol dir ihre Vorschläge ab (die kommen, da die meisten an ihrem Arbeitsplatz und sozialen Umfeld hängen und die bisherigen Schwächen, die das Unternehmen in die Krise geführt haben, sehr gut kennen).
Entwickle neben dem Projektplan eine Kommunikationsstrategie mit regelmäßiger Zwischen-Information.
Offenheit, Ehrlichkeit und Empathie, auch wenn ein Sozialplan notwendig wird, sind immer noch Erfolgsfaktoren wie ich im Laufe meiner Karriere feststellen durfte.

Was erfolgreiches Krisenmanagement angeht, sollten wir Europäer uns endlich auf unsere eigenen Stärken wieder besinnen. Die neuere Vergangenheit wie Wirtschaft- und Finanzkrise als auch Corona sollten uns gezeigt haben, dass wir das können. Heerscharen von angelsächsisch geprägten Unternehmensberatern, mit immer neueren und angeblich wichtigen, erfolgversprechenden Skills und KPI-Strategien sollte nicht mehr blind geglaubt und vertraut werden. Entscheider/ Gesellschafter/ Investoren sollten endlich erwachsen werden und zur europäischen Kultur und Stärke wieder zurückfinden. Bei meinen Mandaten komme ich mir oftmals wie ein "Kindergärtner für Erwachsene" vor und stelle immer wieder fest, dass Restrukturierungen, Effizienzsteigerungen, carve-outs etc. an den Basics/ Hausaufgaben scheitern. Nimm die Mitarbeiter mit, insbesondere die Meinungsführer, erkläre ihnen die Situation und hol dir ihre Vorschläge ab (die kommen, da die meisten an ihrem Arbeitsplatz und sozialen Umfeld hängen und die bisherigen Schwächen, die das Unternehmen in die Krise geführt haben, sehr gut kennen). Entwickle neben dem Projektplan eine Kommunikationsstrategie mit regelmäßiger Zwischen-Information. Offenheit, Ehrlichkeit und Empathie, auch wenn ein Sozialplan notwendig wird, sind immer noch Erfolgsfaktoren wie ich im Laufe meiner Karriere feststellen durfte.
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