Rafael Knuth - Marketing Digital Transformation

Neulich hatte ich am Rande einer Konferenz ein Gespräch mit dem Vorstandsmitglied eines deutschen Mittelständlers. In einer Pause zwischen zwei Vorträgen meinte mein Gegenüber: „Wissen Sie was, wir haben eigentlich von Technologie keine Ahnung."

Das Geständnis mag zwar in seiner entwaffnenden Art ungewöhnlich sein, doch es offenbart einen weit verbreiteten Missstand: Führungskräfte sind mit den technologischen Herausforderungen überfordert.

Wobei „überfordert" noch gelinde ausgedrückt ist. Es fehlt oft an elementarem Verständnis – und es ist durchaus zutreffend, von Technologischem Analphabetismus zu sprechen. Wer in einer natürlichen Sprache das Lesen und Schreiben nicht beherrscht, gilt als Analphabet. Die Sprache der Digitalen Welt ist … Code. Wer nie eine Programmzeile geschrieben hat, Code nicht schreiben und auch nicht lesen kann, ist so betrachtet ein Technologischer Analphabet.

Müssen Vorstände jetzt programmieren lernen? Die Frage spaltet meine Gesprächspartner, Kunden, Kollegen – und ich bin auf Ihre Kommentare hier gespannt. Lassen Sie mich meine Sicht der Dinge erläutern. Die kurze Antwort: „Ja, Vorstände müssen programmieren lernen." Die längere Antwort:

Der US-Amerikanische Investor Marc Andreeseen sagte einmal: „Software isst die Welt auf." Wenn also die Parole ausgerufen wird, dass Unternehmen sich dem Digitalen Wandel stellen müssen, bedeutet es übersetzt nichts anderes als: „Software ‚frisst' sich in die Kernprozesse des Unternehmens hinein."

Man kann sich als Führungskraft Berater ins Haus holen, die Aufklärungsarbeit leisten. Nur verlässt man sich da auf Wissen aus zweiter Hand. Mein eigener Weg führte vom Technologischen Analphabeten hin zu passablen Programmierkenntnissen und ersten Erfahrungen mit dem Training von Machine Learning Modellen. Nun werde ich nie zu einem vollblütigen Programmierer. Aber ich kann mich mit einem solchen auf Augenhöhe austauschen.

Was gewinnen Vorstände, wenn sie programmieren Lernen? Selbstvertrauen!

Aus Erfahrung kann ich sagen: Wer eine Programmiersprache in Grundzügen beherrscht und selbst einfachste Anwendungen schreiben und in der Cloud bereitstellen kann, gewinnt unglaublich viel an Selbstvertrauen: Man beginnt, den technologischen Wandel unserer Zeit auf einer fundamentalen Ebene zu begreifen – wortwörtlich. Der Weg dorthin ist mühsam, doch die Anstrengung ist es allemal wert. Immerhin geht es oft um die Zukunft des eigenen Unternehmens und damit um hunderte wenn nicht gar tausende von Arbeitsplätzen.

Wie man Schritt für Schritt sich aus den Fängen des Technologischen Analphabetismus befreit, würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Sie finden eine Schritt-für-Schritt-Anleitung hier. Doch jetzt sind Sie dran: Was ist Ihre Meinung zum Thema? Ich bin auf Ihre Kommentare gespannt!

Rafael Knuth ist als Digital Transformation Berater tätig. Er hat umfangreiche Projekterfahrung in den USA und Europa.

Rafael Knuth - Marketing Digital Transformation

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!