UNITEDINTERIM Blog

Hier werden Beiträge von angemeldeten Interim Managern veröffentlicht.

Wacht auf Leute: „Alles was digital sein kann, wird digital sein!"

Bodo F. Schmischke - Restrukturierung

Unsere Branche kommt mir in diesen Tagen so vor, wie die Druck- und Medienindustrie vor 20 Jahren, als ich meine ersten Restrukturierungsmandate dort übernahm: Alles fest gefügt und geordnet, aber neue Technologien standen nicht mehr vor, sondern in der Tür. Doch diese neuen Technologien wollten die etablierten Unternehmen nicht.

Nur zu gut erinnere mich an die Gesellschafterversammlung, in der ich erklären durfte, dass eine vor zwei Jahren angeschaffte 1-Million-Investition auf den Schrott muss, weil nicht mehr wettbewerbsfähig und durch die Apple- und DTP-Technologie restlos überholt. Ein Gesellschafter sagte „War das früher schön, als alles aus Holz und überschaubar war". Heute machen wir alle das, was früher Schriftsetzer und Lithografen nach langer Ausbildung und mühevoll machen, in Sekundenschnelle selbst an jedem Computer. In der Folge gab es für Restrukturierer wie mich und Insolvenzverwalter viel zu tun und die Zahl der Druckereien hat sich von über 25.000 auf heute 8.000 gedrittelt.

Wer sich nicht kümmert, bekommt keine Interim-Mandate

Vielleicht liegt es an diesen Erfahrungen, dass ich heute mit Verwunderung auf die Interim-Branche schaue. Fest gefügt ist alles, die Provider erklären, wie groß und aktuell ihre tollen Pools sind und wie fest sie die Kunden im Griff haben. Als Interim Manager muss ich den Kontakt zu vielen Providern halten, schon um meine Verfügbarkeit auf Stand zu halten und – wie ich feststellen musste – auch im Gedächtnis zu bleiben. Denn wer sich nicht immer kümmert, bekommt keine Mandate, weil er vielleicht am besten qualifiziert ist, aber nicht präsent. Und immer dann, wenn eine Mandatsanfrage kommt, sind die ersten beiden Fragen: „Sind Sie verfügbar?" und: „Können Sie uns bitte schnell Ihren aktuellen CV senden?"

Diese für alle Seiten aufwändigen Strukturen und Abläufe werden immer weniger toleriert werden. Dafür sorgt schon der Wandel auf Kundenseite und bei den Interim Managern. Auf beiden Seiten verschwinden diejenigen, die noch mit der Schreibmaschine, Telex (was ist das eigentlich?), Telefax und Festnetztelefon im Berufsleben unterwegs waren. Schon die nächste Generation der „Digital Immigrants" sucht heute im Web und in der digitalen Landschaft mehr als anderswo. Die jetzt vor der Tür stehenden „Digital Natives" sind ohnehin immer online, lernen intuitiv (und erwarten, dass dies möglich ist!), sind Multitasking-fähig und sehr Multimedia orientiert.

Das Tempo der Veränderung nimmt auch im Interim Management zu

Immer schneller zunehmend bedeutet das, dass auch in unserer Branche stets aktuellste Informationen zu Kandidaten, Profilen und Einsatzfähigkeit verfügbar sein müssen. Dies immer mehr sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Denn spätestens die „Digital Natives" sind extrem sozial orientiert und arbeiten nicht mehr im starren „Montag bis Freitag, 9 to 5" - Schema. Ob man das schön findet, ist die eine Seite der Medaille, jedoch die weniger relevante, weil private. Die wichtige andere Seite ist aber die geschäftliche. Und diese wandelt sich gerade. Und, so leid´s mir tut, das Tempo der Veränderung wird zunehmen.

Dies bedeutet nicht, dass die bisherigen Geschäftsmodelle morgen tot sein werden. Sicher läuft vieles zunächst weiter, so wie in der Druck- und Medienbranche auch. Und mancher wird glauben, dass alles nicht so schlimm wird. Aber die stetig steigenden Zugriffszahlen auf die Datenbank von MANATNET in den letzten Jahren und jetzt das Erscheinen von UNITEDINTERIM sind klare Indikatoren der Veränderung.

Interim Manager: Zur Prüfung gezwungen – durch Kunden beurteilt

Wer als professioneller Interim Manager glaubt, dass das nur Provider trifft, täuscht sich gewaltig. Auch von uns Profis wird zu Recht verlangt werden, dass wir unsere aktuellen Daten in hoher, aussagekräftiger Qualität bereit haben und binnen Stunden auf eine Anfrage antworten. Ach, das glauben Sie nicht?

Ein amerikanischer, weltweit operierender Provider sendet mir meine Anfragen per eMail und SMS, erwartet eine Rückmeldung binnen 3 Stunden, checkt jedes Mal mein Profil durch qualifizierende Nachfragen und zwingt mich, mein Profil regelmäßig zu prüfen. Und meine Klienten müssen mich jedes Mal bewerten und davon hängen weitere Anfragen ab. Die neue Welt steht also in der Tür...

Und auf gut köllsch stellt sich vielleicht einer die Frage „Wolle mer se rein lasse?" Doch das ist falsch, denn sie kommt einfach rein und fragt Sie gar nicht! Wir können nur noch entscheiden, ob wir mit der Zeit gehen oder mit der Zeit gegangen werden.

Verinnerlichen Sie deshalb meinen Eingangssatz: „Alles was digital sein kann, wird auch digital sein!".

Bodo Schmischke - Interim Manager für Restrukturierung - Spezialist für Druck-Industrie

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Kommentare 4

admin am Sonntag, 08. April 2018 09:21

Wolle mer se roilasse? Des is Meenzerisch und net Kölsch!! Bitte Quellenwahrheit beachten!!!

Wolle mer se roilasse? Des is Meenzerisch und net Kölsch!! Bitte Quellenwahrheit beachten!!! ;)
Jürgen Becker am Montag, 09. April 2018 09:31

Ups, Herr Kowalzik, wie konnte das nur passieren... !?

Ups, Herr Kowalzik, wie konnte das nur passieren... !?:o
Jürgen Becker am Montag, 03. Juli 2017 15:41

Ich stimme Ihnen ohne jede Einschränkung zu, Herr Dr. Neyer!

Ich stimme Ihnen ohne jede Einschränkung zu, Herr Dr. Neyer!
Horst Neyer am Freitag, 30. Juni 2017 16:06

"Und auf gut köllsch stellt sich vielleicht einer die Frage „Wolle mer se rein lasse?" "

Hier zeigt sich die Ambivalenz der Digitalisierung. Als Nutzer fragen wir gar nicht sondern freuen uns über neue Dienste. Und nehmen sie als selbstverständlich an. BSP Benzinpreis-App: Tolles Angebot, nutzen wir mal schnell bevor wir tanken. Wetter-App: kostet nix, zeigt mir aber mal schnell, wie sich die Regenfront auf mich zubewegt und ob sie mich trifft wenn ich im Biergarten bin. Wir machen sozusagen der Digitalisierung die Türe weit auf.
Auf der anderen Seite: Googlen Sie mal mit Schlagworten, die Ihre Klienten nutzen würden, wenn sie ein Mandat zu vergeben haben. Und dann schauen Sie, auf welcher Seite Sie angezeigt werden. Und schon haben wir Hausaufgaben. Denn genauso, wie der Nutzer der Wetter-App aktuelle Daten zum Wetter erwartet, wird er aktuelle Daten zu Interim-Managern erwarten. Wenn wir glauben, dies nicht tun zu müssen, die Türe also zuhalten wollen, nehmen wir am Markt nicht teil. Und: Digitalisierung kommt nicht mit einem "big bang", sondern schleichend.

"Und auf gut köllsch stellt sich vielleicht einer die Frage „Wolle mer se rein lasse?" " Hier zeigt sich die Ambivalenz der Digitalisierung. Als Nutzer fragen wir gar nicht sondern freuen uns über neue Dienste. Und nehmen sie als selbstverständlich an. BSP Benzinpreis-App: Tolles Angebot, nutzen wir mal schnell bevor wir tanken. Wetter-App: kostet nix, zeigt mir aber mal schnell, wie sich die Regenfront auf mich zubewegt und ob sie mich trifft wenn ich im Biergarten bin. Wir machen sozusagen der Digitalisierung die Türe weit auf. Auf der anderen Seite: Googlen Sie mal mit Schlagworten, die Ihre Klienten nutzen würden, wenn sie ein Mandat zu vergeben haben. Und dann schauen Sie, auf welcher Seite Sie angezeigt werden. Und schon haben wir Hausaufgaben. Denn genauso, wie der Nutzer der Wetter-App aktuelle Daten zum Wetter erwartet, wird er aktuelle Daten zu Interim-Managern erwarten. Wenn wir glauben, dies nicht tun zu müssen, die Türe also zuhalten wollen, nehmen wir am Markt nicht teil. Und: Digitalisierung kommt nicht mit einem "big bang", sondern schleichend.
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