Maschinen- und Anlagenbau – Verschmelzung in einer digitalisierten Welt

Den klassischen Maschinenbau gibt es nicht mehr. Die Vergangenheit war geprägt von Baureihen von Bearbeitungsmaschinen, gleichen Typen mit zahlreichen Varianten und Ausstattungsoptionen und einem umfangreichen Leistungspektrum, welches eigentlich alle Bedürfnisse abdeckte. Die Kunden legten Wert auf Langlebigkeit und hohen Wiederverkaufswert. Die Bearbeitungsmaschine war eine langfristige Investition in die Zukunft des Unternehmens. Im Anlagenbau konnte man Aufträge mit Referenzen gleicher oder ähnlicher Vorhaben, standardisierten Ingenieurslösungen aus der Schublade ziehen. Der Kunde war sich sicher: Der Projektant und Lieferant ist der richtige Experte, hat Erfahrung und weiß, was er tut. Alle diese Tugenden deutscher Ingenieurskunst sind erodiert. Für den (Kern-)Maschinenbau und die Anlagentechnik gilt gleichermaßen: Die Kunden wollen –ausschließlich – ihre aktuellen Anforderungen realisiert wissen und zwar: nur diese Anforderungen, zu den geringsten Kosten und am besten morgen – „schlüsselfertig“.

Wenn heute branchenferne Experten den Maschinenbau auf Drehmaschinen, bestenfalls auf Bearbeitungszentren und den Anlagenbau auf Stahl- und Rohrkonstruktionen reduzieren – verbal oder durch (Nicht-)Handeln – dann  dokumentiert sich eine bemerkenswerte Inkompetenz.

Der Maschinen- und Anlagenbau ist heute viel viel mehr! Insbesondere in Deutschland können wir auf die gesamte Branche stolz sein. Deutsche Ingenieure sind durch die Maschinen mit Ideenreichtum, Qualität und Zuverlässigkeit weltbekannt geworden. Und wir haben eigentlich sehr große Chancen, die aktuellen Entwicklungen für uns positiv zu nutzen.

Große Chancen – kleine Risiken

In der materiellen Welt basiert jede Cloudlösung, jede App und der Inhalt jedes online bestellten und schnell gelieferten Paketes auf Fertigungsmaschinen und -Anlagen. Dass sich viele Dinge gar nicht mehr in Handarbeit herstellen lassen, braucht nicht diskutiert zu werden. Der regional unterschiedliche Anteil manueller Tätigkeiten wird überall weiter sinken. Selbst in Werken in Asien werden z.B. Smartphones auf großen Fertigungslinien gefertigt. Menschen erfüllen nur noch Handhabungsarbeiten. Und dabei ist der Mensch schon längst zum Qualitätsthema und „Störfaktor“ in der Fertigung geworden.

Der Maschinen-und Anlagenbau von heute hat wirklich einmalige Möglichkeiten für eine erfolgreiche Zukunft. Die Basis der soliden Technik bleibt: Ohne Hardware geht’s eben nicht…!

Risiken? Aber ganz sicher! Wer sich nicht engagiert, hat schon verloren.

Roboter, Coboter und Co. – Freund oder Feind?

Roboter gehören heute zum Standard in der Fertigung. Flexibilität, Schnelligkeit, dem Menschen ähnliche Bewegungsabläufe und einfache Applikation auch in vorhandene Systeme machen den Roboter sehr attraktiv für Tätigkeiten in modernen Werken. Der Mensch bleibt dabei nicht „außen vor“, sondern arbeitet mit den Maschinenkollegen, den „Cobotern“, zusammen. Und dies tatsächlich Hand-in-Hand.

Tatsache ist, dass Roboter Arbeitsgänge von Menschen übernehmen. Tatsache ist auch, dass Roboter z.B. Teile im Sekundentakt besser handhaben können als Menschen. Selbst für Unternehmen in Niedriglohnländern ist es schon heute nicht trivial, für solche Tätigkeiten (geeignete) Mitarbeiter zu finden. Die Roboter sind alternativlos. In der direkten Zusammenarbeit mit dem Menschen gibt es noch viele Fragen zu klären. Aber in naher Zukunft wird der Mensch gefahrlos mit dem „Coboter“ arbeiten können. Beide werden ihre Stärken zum Erfolg des Unternehmens einsetzen können.

Dies werden Aufgaben der neuen Fachgebiete eines zukünftigen Maschinen- und Anlagebaus sein.

Big-Data

Informationen aus allen Bereichen des Unternehmens, ja sogar aus allen Branchen, sind auch im Maschinen- und Anlagenbau heute unverzichtbar.

Produktionsplanung heute heißt z.B. nicht erst auf die Abrufe der Kunden zu warten, sondern vorher schon Informationen aus der Marktentwicklung der Kunden auszuwerten und in die eigene Ressourcenplanung einfließen zu lassen. Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind viele anderen Daten aus Markttrends, Klima, Demographie und Ressourcenverfügbarkeit. Das sind nur ein paar Beispiele für wesentliche Treiber hinter Big-Data.

Für die Unternehmen bieten auch eigene, „kleine Inhouse-Big-Data“-Konzepte viele Potenziale. Man denke nur an die lückenlose Erfassung aller Maschinendaten bei allen Kunden, die vom Unternehmen geliefert wurden – wie z.B. Zuverlässigkeit, Belastung, Energieverbrauch. Mit diesen Informationen können gezielt Kosten gesenkt werden und die Kundenzufriedenheit gesteigert werden.

Business Development

Die begonenen Veränderungen wirken auf die Unternehmen in der Branche in mehreren Richtungen:

  • Nach innen: Prozesse und Fachgebiete müssen im laufenden Geschäft neu entwickelt werden. Neue Kompetenzen müssen aufgebaut werden, Liefer- und Fertigungsketten müssen reorganisiert werden.
  • Nach außen: Neue Kundenanforderungen und neue Geschäftsmodelle müssen berücksichtigt werden. So gibt es bereits Unternehmen, die ihre Roboter nach der Anzahl der damit gefertigten Teile vermieten. Darüber hinaus müssen die Big-Data-Interfaces der Maschinen mit den weltweiten Anforderungen der Kunden Schritt halten.

Grenzenlose Möglichkeiten

Grenzenlose Möglichkeiten bieten sich den Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau gleich in zweierlei Hinsicht:

  1. Die Aufwertung ihrer (klassischen) technischen Kompetenz mit modernsten Softwaretechnologien, der Anwendung von wissenschaftlichen Methoden, die erst durch die Verschmelzung von Mechanik, Elektronik, Big-Data und Künstlicher Intelligenz realisierbar werden.
  2. Die weltweite Kooperation mit Partnern, Lieferanten und Kunden. Eine Flexibilität ungekannten Ausmaßes im Geschäftsalltag wird möglich.

Große Perspektiven – große Herausforderungen

Noch nie hat es in der menschlichen Geschichte so viele Änderungen in so kurzer Zeit gegeben. Alle Unternehmen, alle Branchen, alle Länder müssen sich darauf einstellen. Während in anderen Branchen Produkte und Geschäftsmodelle einfach nicht mehr gebraucht werden, eröffnen sich im Maschinen- und Anlagenbau völlig neue Möglichkeiten aus der Verknüpfung von materiellen Produkten mit Computertechnik, Internet, Big-Data und – ja auch – mit der Künstlichen Intelligenz einhergehenden tiefgreifenden Veränderungen.

Doch noch zu viele Unternehmen in der Branche sind sehr auf den aktuellen Auftragsboom und ihr bisher erfolgreiches Geschäftsmodell fokussiert und reflektieren die Entwicklung in der Praxis noch zu wenig.

Es bedarf großer Anstrengungen, diese Veränderungen im eigenen Unternehmen voranzutreiben. Strategische Vorhaben (oftmals nur Lippenbekenntnisse) und ein Invest von ein paar Prozent des Ertrags in die neuen Technologien für den Marktauftritt reichen einfach nicht aus und ein positives operatives Ergebnis im nächsten Quartal ist noch kein Indiz für die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Gerade deutsche Firmen sehen große Potentiale in der Infrastruktur und in den Arbeitsbedingungen in Deutschland. Ein flächendeckendes Netz leistungsstarker Kommunikationsmöglichkeiten ist eben in der digitalisierten Welt das Rückgrat der Wirtschaft und somit unseres Erfolges. Mangelnde Investitionen in Infrastrukturen werden uns schon mittelfristig schädigen – denn die anderen schlafen nicht!

Der Maschinen- und Anlagenbau hat eine ausgezeichnete Perspektive und nimmt die Herausforderung an.

Dr.-Ing. Martin Schütz

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