Branche: Verarbeitendes Gewerbe – Metallverarbeitung
Linienfunktion: Finanzen und General Management (CFO, später zusätzlich CEO)
Thema: Carve-out, Restrukturierung, Transformation und Wachstum
Umsatz: rund 28 Millionen Euro bei Einstieg
Mitarbeiter: rund 195 bei Einstieg
Ausgangslage:
Das metallverarbeitende Unternehmen war Geschäftseinheit einer mittelständischen, traditionell familiengeführten Unternehmensgruppe im Maschinenbau. Nach dem Einstieg eines Private-Equity-Investors und der Übernahme von 75,1 Prozent der Unternehmensanteile wurde entschieden, die Metallverarbeitung aus der bestehenden Gruppenstruktur herauszulösen und als eigenständiges Unternehmen aufzustellen.
Der Carve-out musste in einem anspruchsvollen Restrukturierungsumfeld innerhalb kürzester Zeit umgesetzt werden. Gleichzeitig sollte das Unternehmen strategisch weiterentwickelt werden. Neben Schweißbaugruppen und kleineren Baugruppen sollte zukünftig auch die Produktion größerer Maschinen möglich sein. Hierfür wurde eine zusätzliche Produktionshalle angemietet und die Produktionsfläche um rund 30 Prozent erweitert.
Aufgabe:
Als CFO übernahm ich die Gesamtsteuerung des Carve-outs mit Schwerpunkt auf den kaufmännischen Themen. Die Verantwortung ging jedoch deutlich darüber hinaus und umfasste die organisatorische Verselbstständigung des Unternehmens von der IT- und Systemlandschaft über Prozesse und Zertifizierungen bis hin zu Marketingthemen.
Ziel war es, innerhalb kürzester Zeit die organisatorische und finanzielle Eigenständigkeit herzustellen und gleichzeitig die Voraussetzungen für weiteres Wachstum zu schaffen. Neben dem Aufbau eigenständiger kaufmännischer Strukturen mussten Finanzierung, Liquiditätssteuerung und Reporting unter anspruchsvollen Restrukturierungsbedingungen sichergestellt werden.
Lösung:
Innerhalb von rund zwei Monaten wurden die wesentlichen Voraussetzungen für die Eigenständigkeit des Unternehmens geschaffen. Dazu gehörten die Einrichtung eines eigenständigen Mandanten im bestehenden ERP-System sowie die Einführung von LucaNet für Planung, Controlling und Reporting. Parallel wurden eigenständige organisatorische Strukturen und Prozesse aufgebaut.
Auf der Finanzierungsseite verantwortete ich die Fortführung des zuvor durch den CRO verhandelten Konsortialkreditvertrags und die laufende Zusammenarbeit mit den beteiligten Banken und deren Restrukturierungsspezialisten. Der Kreditvertrag beinhaltete strenge Covenants und finanzielle Kennzahlen, deren Entwicklung kontinuierlich überwacht und mit den finanzierenden Banken und ihren Restrukturierungspartnern abgestimmt werden musste. Damit waren ein engmaschiges Reporting, eine konsequente Liquiditätssteuerung sowie eine hohe Transparenz gegenüber den Finanzierungspartnern wesentliche Bestandteile meiner Verantwortung.
Gleichzeitig wurde ein Investitionsprogramm von rund fünf Millionen Euro umgesetzt. Die zusätzliche Produktionshalle erweiterte die Produktionsfläche um rund 30 Prozent und schuf die Voraussetzungen für die Fertigung größerer Maschinen und die Gewinnung zusätzlicher Kundenaufträge.
Unmittelbar nach dieser Investitionsphase traf die Corona-Pandemie das Unternehmen in einer Situation mit hoher Kapitalbindung und engem Finanzierungsspielraum. Die Auswirkungen auf die Branche waren erheblich: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Produktion von Metallerzeugnissen im Jahr 2020 um 11,6 Prozent, die Metallerzeugung und -bearbeitung sogar um 13,3 Prozent.
Ich übernahm die finanzielle und organisatorische Steuerung durch diese Phase. Aufgrund der Beteiligungs- und Holdingstruktur über die Private-Equity-Mutter konnte die Beantragung der Corona-Hilfen nicht isoliert für das Unternehmen erfolgen. Daher koordinierte ich die Antragstellung für die relevanten deutschen Gesellschaften der Private-Equity-Mutter. Im Rahmen der Überbrückungshilfe III konnten für das von mir geführte Unternehmen Fördermittel von rund 600.000 Euro sowie für die deutschen Gesellschaften der Private-Equity-Mutter insgesamt rund 1,5 Millionen Euro gesichert werden.
Zusätzlich wurde für das Unternehmen eine KfW-Finanzierung über insgesamt 1,5 Millionen Euro zur Stabilisierung der Liquidität gesichert. Die Umsetzung erfolgte in enger Abstimmung mit den Restrukturierungsansprechpartnern der finanzierenden Banken. Grundlage hierfür waren die im Rahmen der Corona-Pandemie geschaffenen Möglichkeiten des KfW-Sonderprogramms 2020.
Die Herausforderungen endeten nicht mit dem unmittelbaren Corona-Einbruch. In der anschließenden Erholungsphase führten Materialknappheit und Lieferengpässe zu zusätzlichen Belastungen der Industrie.
Gleichzeitig stiegen die Preise wichtiger Vorprodukte erheblich. Besonders relevant für ein metallverarbeitendes Unternehmen war die Entwicklung der Metallpreise: Im Jahresdurchschnitt 2021 lagen die Erzeugerpreise für Metalle nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 25,4 Prozent über dem Vorjahr. Im Dezember 2021 betrug der Anstieg gegenüber dem Vorjahresmonat 36,1 Prozent.
Im weiteren Verlauf erweiterte sich meine Verantwortung vom CFO bis hin zur zusätzlichen Führung des Unternehmens als CEO. Die CFO-Verantwortung behielt ich dabei durchgehend in Personalunion. Neben den finanziellen und operativen Themen begleitete ich das Change Management im Führungsteam und die Weiterentwicklung der Organisation bis zum späteren M&A-Prozess.
Ergebnis:
Der Carve-out wurde innerhalb von rund zwei Monaten umgesetzt und aus einer Geschäftseinheit ein eigenständig handlungsfähiges Unternehmen geschaffen. Die Produktionsfläche wurde um rund 30 Prozent erweitert und allein 2019 wurden rund fünf Millionen Euro in den Ausbau und die Weiterentwicklung des Unternehmens investiert.
Trotz der unmittelbar folgenden Corona-Pandemie wurde die Liquidität durch zusätzliche Finanzierungs- und Fördermaßnahmen stabilisiert. Für das Unternehmen konnten rund 600.000 Euro aus der Überbrückungshilfe III sowie eine zusätzliche KfW-Finanzierung über 1,5 Mio. Euro gesichert werden. Im Rahmen der von mir koordinierten Antragstellung wurden für die deutschen Gesellschaften der Private-Equity-Mutter insgesamt rund 1,5 Mio. Euro aus der Überbrückungshilfe III gesichert.
Von 2019 bis 2022 stieg die Zahl der Mitarbeiter von rund 195 auf 240. Der Umsatz erhöhte sich von rund 28 Mio. Euro auf über 30 Mio. Euro. Gleichzeitig entwickelte sich das EBITDA von rund einer Million Euro auf rund 3,3 Mio. Euro. Damit erhöhte sich die EBITDA-Marge von rund 3,6 Prozent auf rmehr als 10 Prozent.
Das Unternehmen wurde nach dem Carve-out nicht nur organisatorisch und finanziell verselbstständigt, sondern hat sich trotz der harten Einschnitte der Pandemie substanziell weiterentwickelt. Bis zum vom Private-Equity-Gesellschafter initiierten M&A-Prozess im Jahr 2023 erweiterte sich meine Verantwortung vom CFO bis zur zusätzlichen CEO-Verantwortung, wobei ich die CFO-Funktion durchgehend in Personalunion wahrnahm.
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