By Ulf Camehn on Dienstag, 30. Dezember 2025
Category: General Management

Zurück im Spiel – Restrukturierung und Turnaround einer Fitnesskette

Branche: Fitness

Linienfunktion: CRO

Themen: Krisenmanagement, Liquiditätssicherung, Neuausrichtung, Reorganisation, Restrukturierung, Turnaround, Aufbau- und Ablauforganisation

Umsatz: 34 Mio. Euro

Mitarbeiter: 350

Aufgabe:

Der Konzern wird über eine Holding geführt, welche 100 % der Anteile an im Wesentlichen zwei Konzerntöchtern hält: Eine sehr profitable Gesellschaft vermarktet Franchiselizenzen für verschiedene Konzepte und eine weitere Gesellschaft – mit wiederum verschiedenen Tochtergesellschaften – betreibt zum Projektbeginn 40 eigene Fitnessclubs.

Der Konzernteil „Eigene Clubs" konnte nicht an die Erfolge der Vor-Corona-Zeit anknüpfen und ist mit einem negativen Free Cashflow von ca. 2,8 Mio. Euro p. a. existenzbedrohend defizitär. In dem Zusammenhang erwartet das Unternehmen in naher Zukunft eine Corona-Schlussabrechnung (sog. Überbrückungshilfe 3) in Höhe von fast 3 Mio. Euro.

Die schnelle Expansion wurde nicht fristenkongruent, sondern überwiegend aus laufendem Cashflow und Rückstellungen finanziert. Die Folge: Eine personelle, prozessuale und finanzielle Überdehnung der Organisation.

Über entsprechende Ergebnisabführungsverträge mit der Konzernholding wird die Zahlungsfähigkeit der eigenen Clubs aufrechterhalten. Die finanziellen Mittel aus der Konzerntochter „Franchise" fehlen somit zur Weiterentwicklung des Franchisesystems bzw. zur Anlaufunterstützung von Existenzgründern.

Darüber hinaus beklagen die eigenen Clubs einen Investitionsstau hinsichtlich Instandhaltungen, Signalisation, Gerätepark und einer hybriden Infrastruktur zur Erweiterung personalloser Öffnungszeiten..

Die Aufgabenstellung besteht darin, die Verluste der eigenen Fitnessstudios schnell zu reduzieren und die Zahlungsfähigkeit zum Zeitpunkt der Corona-Fälligkeit sicherzustellen.

Lösung:

1) Bestandsaufnahme:

Nach der Auftragsklärung machte ich mich an die Bestandsaufnahme, schwerpunktmäßig im Interview-Modus.

Nach gut 6 Wochen war ich "in full command" zu folgenden Themen:

Es gelang mir, den Gesamtkontext zu verstehen und Ursache-Wirkungs-Mechanismen sowie Wechselbeziehungen zu erkennen.

2) Maßnahmen:

Zusammenfassend ließ sich festhalten, dass es im Rahmen der Restrukturierung eines Maßnahmenbündels aus restriktiven und expansiven Maßnahmen bedurfte. Mit klarer Trennung zwischen Topline-Management (strategische Steuerung und Optimierung des Gesamtumsatzes) und Bottomline-Maßnahmen (Kostensenkung und Effizienzsteigerung). Sie spiegeln den integrierten Ansatz aus Krisenmanagement, operativer Restrukturierung und strategischer Transformation wider.

Die Aufzählung stellt die Wesentlichen Maßnahmen und Erfolge innerhalb der letzten 18 Monate dar.

Darüber hinaus legten wir gegenüber den Kreditinstituten den Fokus auf Vertrauensbildung durch Transparenz. Dazu gehörte eine vollumfängliche Quartalsberichterstattung inkl. 13-Wochen-Prognose, Entwicklung zweckgebundenen Rücklage (Stichwort: Überbrückungshilfe 3), Verbindlichkeiten-Spiegel, Cashflow-Rechnungen, Unterlegung der Kapitaldienstfähigkeit, SWOT-Analyse, Maßnahmen, Fortschritte, Forecasts, Ausblick u. v. m.

Ergebnis:

1) Die Organisatorische Neuausrichtung der Sparte „Eigene Clubs" konnte per Q3/2025 weitestgehend abgeschlossen werden

2) Positive Entwicklung der operativen Ertragskraft: EBITDA 614 T Euro über Plan und 412 T Euro über Vorjahr (per 09/2025)

3) Stabilisierung der Finanzsituation im Konzern: Free Cashflow i. H. v. 824 T Euro (nach Tilgungen und Steuern aus Vorperioden, per 09/2025)

4) Bodenbildung und Turnaround bei der Mitgliederentwicklung erreicht

5) Strukturen, die zur Unternehmensgröße passen

6) Wichtige Schlüsselpositionen neu besetzt

Erfolgsfaktoren:

Herausheben möchte ich die Rolle des Gesellschafters. Er hat sich der Situation gestellt, externe Hilfe zugelassen und eigene Fehler eingesehen. Auf Grundlage einer sehr reflektierten Haltung hat er den Weg frei für die Umsetzung gemacht – immer auf Basis belastbarer Argumente und Entscheidungsvorlagen. Sei es die Freigabe zu Clubschließungen und späteren Clubverkäufen, die Einbindung eines Personalberaters zur schnellen Besetzung einer Schlüsselposition, dass Vertrauen in mein Netzwerk (z. B. in Sachen des neuen Leiters Personal, Recht und Compliance aber auch bezüglich der hinzugezogenen Berater und Fachanwälte). Es gab nichts, was man nicht an- und aussprechen durfte. Das Projekt zeigt in beeindruckender Weise, wie Gesellschafter über Vertrauen Wirkung und Umsetzungsgeschwindigkeit freisetzen können.

Ausblick:

Das Unternehmen ist zurück im Spiel aber noch nicht über den Berg. Nachdem der negative Free Cashflow sechsstellig ins Plus gedreht werden konnte (von - 2,8 Mio. Euro auf + 824T Euro), ist es nun in die nächste entscheidende und nicht weniger herausfordernde Phase eingetreten: Die Planung für die neue Saison. Soll heißen: An welchen Geschäftsfeldern, Beteiligungen und Vorhaben will es festhalten? Auf welchen Positionen soll das Unternehmen verstärkt werden und wie kann über strategische Partnerschaften die Kapitalbasis gestärkt werden? Auch in dieser Phase wird es darum gehen, mit begrenzten Mittel schnell und treffsicher insbesondere die richtigen Personalmaßnahmen in die Umsetzung zu bekommen. Und wenn es aus der Vergangenheit lernt, wird es sich nicht ausschließlich im Sturm verstärken.

Auch in dieser Phase wird sich der Mehrwert eines erfahrenen Interim CRO / Interim Managers zeigen, der Restrukturierung, operative Umsetzung und strategische Weiterentwicklung integriert denkt.

PROFIL VON ULF CAMEHN BEI UNITEDINTERIM - AUF DAS PROFESSIONELLE INTERIM MANAGEMENT SPEZIALISIERTE PLATTFORM FÜR DIE DACH-REGION

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