By Oliver Zimmer on Freitag, 06. November 2026
Category: Case Studies

Standortaufbau im internationalen Möbel- und Einrichtungshandel

Branche: Einzelhandel – Möbel und Einrichtung (internationales Franchisesystem)

Linienfunktion: General Management – Projektmanagement mit Gesamtverantowrtung für den Aufbau der Standorte

Thema: Business Development, Franchise-Services, laterale Führung, Litauen, Jordanien, Bahrein

Umsatz: über 30 Mrd. Euro

Mitarbeiter: Franchisenehmer mit über 160.000 Beschäftigten

Ausgangslage

Ein weltweit führender Einrichtungskonzern eröffnete Einrichtungshäuser in Ländern, in denen seine Marke bis dahin nicht vertreten war. Hinter dem Konzern steht ein Franchisesystem: Der Franchisegeber ist Eigentümer des Konzepts und vergibt das Recht, Einrichtungshäuser unter der Marke zu betreiben, an Franchisenehmer. Der Franchisegeber stellt Marke, Sortiment und Betriebsmodell. Der Franchisenehmer trägt Investition, Personal und das unternehmerische Risiko vor Ort.

Ein Markteintritt in einem Land ohne eigene Organisation ist deshalb weit mehr als ein Bauprojekt. Der Franchisenehmer kennt seinen Markt, seine Behörden und seine Bewerber, aber noch nicht das Betriebsmodell. Der Franchisegeber kennt das Modell, aber weder den Markt noch die Menschen. Beide Seiten sind eigenständige Unternehmen und begegnen sich als Partner. Erfolg entsteht deshalb dort, wo jemand zwischen beiden übersetzt und beide für einen gemeinsamen Plan gewinnt.

Hinzu kamen sehr unterschiedliche Voraussetzungen. Litauen war der erste Markt der Marke im Baltikum. Jordanien und Bahrain liegen in einer Region mit anderen Kaufgewohnheiten, anderem Klima und anderen Anforderungen an Sortiment und Logistik. Ein Vorgehen, das in Mitteleuropa trägt, musste deshalb für jedes Land neu durchdacht werden.

Aufgabe

Für den Franchisegeber arbeitete ich rund sechs Jahre als Project Leader Establishment. Establishment bezeichnet im Konzern den gesamten Aufbau eines neuen Einrichtungshauses, von der Standortgenehmigung bis zur Eröffnung. Mein Auftrag lautete, aus einem genehmigten Standort ein arbeitsfähiges Einrichtungshaus zu machen: mit einer eingestellten und ausgebildeten Mannschaft, eingespielten Abläufen und einem Eröffnungstermin, der hält.

Ich verantwortete drei dieser Markteintritte: die Einrichtungshäuser in Vilnius (Litauen) und Amman (Jordanien) sowie den Projektstart in Manama (Bahrain). Dazu kam die Leitung der Marktbewertung für Vietnam, also die Frage, ob ein Eintritt überhaupt sinnvoll ist. In den Projekten coachte ich die Projektmanager der Franchisenehmer und steuerte je Projekt rund 15 Spezialisten des Franchisegebers und 20 externe Fachkräfte.

Geführt habe ich in allen Projekten durch laterale Führung, also über Überzeugung, Vertrauen und gemeinsame Ziele. Die Teams der Franchisenehmer und Landesgesellschaften berichteten an ihre eigene Geschäftsleitung; gewonnen habe ich sie mit Fachwissen, klaren Plänen und verlässlicher Unterstützung.

Parallel war ich Content Owner des globalen Store Establishment Process. Als Content Owner war ich inhaltlich verantwortlich für das verbindliche Vorgehen, nach dem der Konzern seine Einrichtungshäuser weltweit aufbaut, und hielt es in enger Abstimmung mit Franchisenehmern und Spezialisten aktuell.

Lösung

Ergebnis

Alle drei Markteintritte führten zu eröffneten Einrichtungshäusern. Zugleich wurde der Aufbauprozess für das gesamte Franchisesystem weiterentwickelt.

Der Fall zeigt den Aufbau von Betrieben dort, wo vorher ein Nichts stand, gemeinsam mit Partnern, die einem anderen Eigentümer gehörten. Wer eine Organisation allein durch Überzeugung zum Laufen bringt, bringt sie mit Weisungsbefugnis erst recht zum Laufen.

Was davon heute in meinen Beratungsmandaten trägt

Die Methode ist an keine Branche gebunden. Sie trägt überall dort, wo ein Standort neu entsteht, ein Betrieb nach einer Übernahme integriert wird oder eine Zentrale ihre Regionen über Zusammenarbeit statt über Anweisung erreichen muss.

Als selbstständiger Berater setze ich dieselben Prinzipien heute ein, zum Beispiel beim Aufbau eines Projektmanagementbüros (PMO) für einen Träger mit vielen Einrichtungen. Ein PMO ist eine zentrale Stelle, die Standards für Projekte setzt und Projekte über alle Standorte hinweg steuert. Wie damals bei den Franchisenehmern wirkt es vor allem über Überzeugung: Die Projektleitungen in den Einrichtungen berichten an ihre eigene Leitung, und das PMO gewinnt sie mit klaren Rollen, einem verbindlichen Prozess und praktischer Unterstützung. Ziel ist auch hier, dass das Wissen in der Organisation bleibt und die Einrichtungen weitere Vorhaben zunehmend selbst steuern. 

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