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EINE DIGITALE REVOLUTION AUCH IM EINKAUF, BITTE!

Delphine Soulard - Interim Managerin Einkauf und SCM

Die Digitalisierung hat nicht nur eine Revolution im Dienstleistungssektor und in den TIME-Branchen gebracht: Die Digitalisierung hat auch zu einer Revolution in der Industrie geführt. Und dies weltweit!

Das Nutzungsrecht ersetzt den Besitz und das Eigentum. Das Produkt wird zur Dienstleistung auf Zeit, häufig über Abonnements, ist jederzeit greifbar – unabhängig von Ort und Zeit. Viele Industrieunternehmen haben ihre Geschäftsmodelle völlig verändert, bei denen der Kundenbedarf und die Lösung im Kern allein im Vordergrund stehen. 

Einige Beispiele: Rolls-Royce Turbines (D) verkauft Betriebsstunden im Flug, John Deere (USA) verkauft Betriebsstunden auf dem Feld, Rio Tinto (AUS) verkauft Stunden auf der Baustelle, Kaeser verkauft Kubikmeter komprimierter Luft, Schindler-Aufzüge berechnen Menschen und Bewegungen. Zwischen Kunde und Lieferant wird ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen, bei dem der Lieferanten Zugang zu den „Big Data" der von ihm beim Kunden eingesetzten Produkte erhält.

Als Folge wird vorbeugend gehandelt und nicht erst auf Kundenmeldung. Die notwendige Hardware rückt dadurch in den Hintergrund. Produkte, Reparaturen, Instandhaltung, Softwareaktualisierung, Ersatzteilbeschaffung sind Mittel zum Zweck, stehen nicht mehr zur Diskussion oder sind Gegenstände einer Verhandlung mit dem Abnehmer. Der Vertrieb des Lieferanten verkauft eine Leistung, bei der die Produkte, Geräte, Technologie dem alleinigen Ziel des Kunden dienen, die Effizienz seines Geschäftsmodells zu unterstützen oder zu optimieren.

Das ist genial und das ist richtig!

Warum ist diese Revolution nicht im Einkauf der Traditionsbranchen Maschinenbau oder Automotive angekommen? Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass auch in den traditionellen Branchen identische Herausforderungen vorliegen. Konkret: Die Technologiezyklen sind kürzer, die Serien kleiner, die Planbarkeit geringer und die Geschwindigkeit höher geworden. Gleichzeitig wurde die Verbindlichkeit zum Fremdwort, die Erreichbarkeits-Level "7/24" zum Standard und der Flexibilitätsanspruch immens.

Heute noch gilt immer noch wie vor 20 Jahren: Der Interim Manager im Einkauf ist ein Profi, wenn er durch Kostensenkungen die Rendite des Unternehmens steigert. Entweder schafft er das über die Effizienzsteigerung, mit weniger Mitarbeitern mehr einzukaufen oder mit weniger Finanzmitteln das gleiche Einkaufsvolumen zu beschaffen. Letzteres ist schneller ergebniswirksam und zählt für den Auftraggeber mehr als eine strategisch sinnvolle, aber langfristige und teilweise unangenehme Organisationsänderung bzw. -Rationalisierung.

Für die Kostensenkung in der klassischen produzierenden Industrie stehen die klassischen Werkzeuge zur Verfügung. Entweder wird eine Lieferantenreduzierung durch Bündelung in der Unternehmensgruppe angestrebt oder eine Teilereduzierung durch die Standardisierung der Bedarfe. Der Weg dahin geht über die Analyse des Marktes und die Nutzung des Marktpotenzials. Aus Ländern mit niedrigerem Entwicklungsstand werden Standardteile, möglichst in hohen Mengen, beschafft. In hoch technolisierten Ländern werden Lieferanten mit ausgetüftelten Ausschreibungen herausgefordert, ihr Knowhow zum Bestpreis abzugeben.

Beherrscht der Interim Manager – oder die Interim Managerin – die Werkzeuge und zudem kann die interne Mannschaft überzeugen oder gar begeistern, dann ist er der Gewinner!

Der Einfluss der Digitalisierung beschränkt sich derzeit auf den Einkauf von C-Teilen über Marktplattformen und auf den Einsatz von Auktionen für ausgewählte Commodities.

Wann aber kommt die digitale Revolution auch im Einkauf? Wann wird diese fast statische Situation aufgelöst und wann handeln die Einkäufer in den Traditionsbranchen Maschinenbau und Automotive endlich – statt nur ein Versorgungsproblem zu lösen?

Denn eins ist sicher: Die Umsetzung des digitalen Wandels auch im Einkauf wird ein entscheidender Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit der Branchen in der Industrie 4.0 sein.

Delphine Soulard - Interim Managerin Einkauf und Supply Chain Management (SCM)

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Kommentare 1

Gäste - Oliver Schulz am Mittwoch, 13. Dezember 2017 21:02

Liebe Frau Soulard.
Danke für Ihren interessanten Beitrag
D'accord was Ihre Einwände beim Einkauf angeht. Digitalisierung ist nicht einzelnen Branchen oder Abteilungen vorbehalten. Aber Ihre Eingangs erwähnte Feststellung, dass die Industrie schon digital revolutioniert ist teile ich nicht. Viele Studien (bspw: BMWI;IHK) verweisen je nach Branche, wie rückständig Deutschlands Industrie bei diesem Thema (auch bei der Umsetzung) ist. Aber ich sehe Sie sind eine Mitkämpferin☺. Bleiben Sie am Ball. Ich freue mich mehr von Ihnen zu lesen. (Schauen Sie gerne auch mal hier vorbei : https://morethandigital.info/ )

Liebe Frau Soulard. Danke für Ihren interessanten Beitrag D'accord was Ihre Einwände beim Einkauf angeht. Digitalisierung ist nicht einzelnen Branchen oder Abteilungen vorbehalten. Aber Ihre Eingangs erwähnte Feststellung, dass die Industrie schon digital revolutioniert ist teile ich nicht. Viele Studien (bspw: BMWI;IHK) verweisen je nach Branche, wie rückständig Deutschlands Industrie bei diesem Thema (auch bei der Umsetzung) ist. Aber ich sehe Sie sind eine Mitkämpferin☺. Bleiben Sie am Ball. Ich freue mich mehr von Ihnen zu lesen. (Schauen Sie gerne auch mal hier vorbei : https://morethandigital.info/ )
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