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Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

COVID-19: Nicht die Ausgangs-Sperre ist die Lösung, sondern die Ausgangs-Pflicht!

Dies ist mein bitterer Ernst! Nach der Resonanz auf meine Veröffentlichung COVID-19: Was aus Sicht des Ingenieurs wirklich hilft, und was eben nicht möchte ich nun auf die Konsequenzen eingehen. Genauso faktenbasiert, langweilig akribisch, aber konsequent.

I Die (z. T. trivialen) Fakten

1. COVID19 ist sehr bedrohlich.

Alle 4 Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an COVID-19. Wir müssen es loswerden. Unbedingt. Mir geht es nur um die richtige Methode.

2. Der Teil-Lockdown wirkt nicht.

Er wirkt zumindest nicht ausreichend. Die Ansteckungszahlen verharren auf hohem Niveau, die Krankenhäuser füllen sich, Menschen sterben. Keine Senkung der Zahlen trotz all der Regeln und Verbote. Das darf nicht so weitergehen!

3. Dass der Lockdown im Frühjahr gewirkt hat, ist nicht bewiesen.

Es wird zwar gebetsmühlenhaft wiederholt, aber eine Koinzidenz ist kein Beweis für eine Ursache. COVID-19 war neu und nicht so weit in der Bevölkerung verbreitet, die Menschen hatten mehr Angst, waren weniger genervt und viel eher bereit, sich voneinander abzuschotten. Mecklenburg-Vorpommern hat eine so geringe Ansteckungsrate – und viel Land, kaum Großstädte und wenig Touristen am Strand. Wer kann also genau sagen, was geholfen hat?

4. Dann kam der Sommer. Die Ansteckungszahlen sanken drastisch.

Restaurants und andere öffentliche Räume waren geöffnet, man traf sich im (Bier-) Garten, auf der Terrasse des Restaurants, auch im Park und am Strand. Teilweise zu Tausenden. Kein Lockdown, trotzdem alles vergleichsweise gut.

5. Nun ist es wieder Winter.

Die Temperaturen draußen sind unwirtlich, man ist drinnen. Die Menschen haben es gerne gemütlich, es wird viel geheizt und wenig gelüftet. Letzteres hat man uns aus Energiespar- und Kostengründen eingebläut – jahrelang.

6. Der Mensch ist ein soziales Wesen.

Menschen müssen bis auf wenige Ausnahmen andere Menschen treffen. Familie, Freunde, Bekannte, manche auch Fremde. Dieses Grundbedürfnis ist ein regelrechter psychischer Zwang, nicht Renitenz oder Unvernunft. Das Bedürfnis bricht sich Bahn, wie wir allenthalben beobachten können.

7. Man sieht den Menschen nicht an, wenn sie ansteckend sind.

Tückisch, da wir darauf vertrauen, dass Familie und Freunde nicht ansteckend sind, denn gestern waren sie es ja auch nicht! Bei Fremden sind wir vielleicht vorsichtiger, aber das ist völlig unsinnig. Alle sind potentiell gefährlich, auch der Sohn, sogar der Partner!

8. COVID-19 ist drinnen hochansteckend.

Das Virus gerät umso einfacher in unsere Atemwege, desto dichter die Menschen aufeinandersitzen und je höher die Luft belastet ist, wie wir aus dem vorherigen Aufsatz wissen.

9. Die wenigsten Wohnungen haben COVID-taugliche Lüftungssysteme.

Richtiges Lüften (Vollständiger Luftaustausch) ist nicht energieeffizient und erhöht die Heizkosten. Filter oder z. B. UV-Licht hielten wir trotz Grippewellen nicht für notwendig. Das hat sich geändert.

10. In der Wohnung zu sitzen schadet der Gesundheit.

Es ist eigentlich nicht erwähnenswert: Frische Luft, Kältereize und Bewegung stärken das Immunsystem, Couch-Potaoing schwächt es.

11. Die natürliche CO2-Konzentration beträgt ca., 480 ppm = 0,48 ‰.

Die Atemluft des Menschen enthält, 4% oder 40‰. Das ist das Hundertfache (Für ganz Genaue: Wenn man von dem Unterschied zwischen ppm und Vol% einmal absieht). Deshalb kann die CO2-Konzentration in ungelüfteten Räumen bis auf 3.000 ppm ansteigen oder mehr, theoretisch sogar soweit, dass man erstickt.

Wer hat das nicht schon erlebt? Auf Partys, in engen übervollen Kneipen oder Zuhause bei vielen Gästen? Und genau das ist das Problem.

Deshalb sollte es ohnehin das Ziel sein, einen CO2-Wert von 1.000 ppm nicht zu überschreiten. 1.400 ppm ist die obere Grenze für akzeptable Raumluft. Um dies zu erreichen, muss im Normalfall alle 1 bis 2 Stunden aktiv gelüftet werden. Kommt uns das bekannt vor?

12. Mit dem CO2-Gehalt steigt auch das Ansteckungsrisiko

„Inzwischen haben verschiedene Untersuchungen eine weitere Annahme Pettenkofers bestätigt: CO2 ist ein Indikator für die Qualität der Innenraumluft in den Räumen insgesamt. Wo es viel CO2 gibt, werden auch besonders viele Keime gefunden. Die amerikanischen Wissenschaftler Rudnick und Milton zum Beispiel untersuchten 2003, wie hoch das Grippe- Ansteckungsrisiko in einem Klassenraum ist. 30 Personen waren vier Stunden lang im Klassenraum, eine Person hatte akut Grippe. Das Ergebnis: Bei 1.000 ppm CO2 steckten sich fünf Personen an, bei 2.000 ppm waren es zwölf und bei 3.000 ppm sogar 15."

Quelle: CO2-als-Lüftungsindikator

13. Wir sperren alle öffentlichen Orte und Räume und zwingen die Menschen, zuhause zu bleiben. #Stay at home suggeriert sogar, dass wir wirklich in der Wohnung bleiben sollen. Vermutlich entspringt das alten Reflexen („My Home is my Castle" oder „Ich vertraue nur meiner Familie, meinem Freundeskreis") und ist das, was man offenbar so tut, wenn man von etwas von außen bedroht wird. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das heißt ein Rudel- oder Herdentier, das zur Abwehr zusammenrückt.

II Schlussfolgerungen

1. Ist der Teil-Lockdown richtig?

Nein!

Eigentlich liegt es auf der Hand, dass die Maßnahme „Zuhause bleiben" der Tatsache ganz und gar nicht gerecht wird, dass die Luft in Privatwohnungen im Allgemeinen die Schlechteste von allen ist, sie aber gleichzeitig der letzte Ort ist, an dem sich die Menschen noch treffen können, die doch so ein Bedürfnis danach haben!

2. Was also tun?

Wenn die Luft in Privatwohnungen die Schlechteste von allen ist: Nicht die Ausgangssperre ist die Lösung, sondern die Ausgangspflicht.

Meine persönliche Maßnahme ist schon lange: Ich treffe selbst meine erwachsenen Kinder bisher nicht zuhause! Frei nach dem uralten Sketch von Otto Waalkes über die ideale Putzlösung: Raus!

Raus an die Luft, besser warm Anziehen als Sterben. Dort kann ich auch Familie, Freunde, Bekannte und sogar Fremde treffen, mit Abstand und/oder Maske. Weihnachten wird eine Herausforderung. Und Bewegung soll ja auch gesünder sein als Couch-Potatoing zuhause.

Aber ich bin Fahrrad-, Motorrad- und Skifahrer, also Kälte gewöhnt. Dazu habe ich ein eigenes Auto und wohne am Stadtrand, ich brauche also keine öffentlichen Verkehrsmittel und muss niemandem näherkommen als 5m bis zum nächsten Wald. Zweifelsohne privilegiert.

3. Was ist realistisch für alle?

Natürlich ist es nicht einfach oder gar umsonst. Draußen ist es kalt, in den Großstädten ist es eng, auch auf der Straße.

Es bleibt trotzdem nichts anderes übrig: Das Bedürfnis der Menschen nach Gesellschaft erfordert genügend Räume mit niedrigstem Risiko. Zwingend!

Raus aus der engen Wohnung in komfortable Begegnungsstätten mit geringstem Ansteckungsrisiko.

4. Macht man das mit der Drogenszene nicht genauso:

Man lässt sie an bestimmten Orten gewähren, damit sie nicht in den Untergrund abtaucht. Das wäre auch für COVID das Richtige! Der Vergleich Privatwohnung-Untergrund mag manchem gewagt erscheinen, für mich ist er in diesem Zusammenhang passend.

5. Ist das machbar?

Fakt 11 unten: „Ohnehin soll man einen CO2-Wert von 1.000 ppm nicht überschreiten. 1.400 ppm ist die obere Grenze für akzeptable Raumluft." Genau das ist in den allermeisten öffentlichen Räume wie Kinos, Theater, Veranstaltungshallen usw. seit Langem gegeben: Neubauten sind per Gesetz mit Lüftungsanlagen ausgestattet, viele Altbauten wurden nachgerüstet. Viele Restaurants haben mit Hygienekonzepten nachgezogen, von Abständen über Trennwände bis hin zu Luftaufbereitung. Die bestraft man jetzt, anstatt ihnen die Möglichkeit zu geben, bei kontrollierter sauberer Raumluft Gäste zu empfangen.

Natürlich ist auch dort Abstand wegen der Tröpfchen wichtig, aber das wird ja gemacht! Und Plexiglaswände schützen darüberhinaus. Und das Schöne: Alles ist mit einfachsten Mittel kontrollierbar.

Also ja, es ist machbar, jeder dieser Orte ist besser für Sozialkontakte geeignet als die allermeisten Privatwohnungen!

6. Ist das wirklich 100% sicher?

Nein, wir reduzieren die Wahrscheinlichkeit nicht auf Null, also ist es aus Sicht der „Reinen Wissenschaft" nicht sicher. Das ist leider zu oft der Standpunkt des RKI. Aber die Luft in solchen Räumen ist ganz erheblich besser als in Privatwohnungen, und es steht natürlich frei, durch den Einbau von Hepa-Filtern, UVC-Geräten o.a. weitere Verbesserungen zu erzwingen. Ist das Nichts? Als Ingenieur, der oft erfolgreich mit Kompromissen zurechtkommt, bin ich sicher, dass wir damit der Lage im Sommer sehr viel näherkommen werden als durch Einsperren in der Wohnung.

7. Aufgabe des Staates:

Konsequente Überwachung und, ja, empfindliche Sanktionen für diejenigen Betreiber dieser Räume, die um des persönlichen Vorteils Willen ihre Gäste gefährden. Ansteckung seiner Gäste nicht zu verhindern ist nach meiner Meinung spätestens bei Eintreten der Krankheit fahrlässige Körperverletzung, ggf. mit Todesfolge! Also kann man auch das gesetzliche Instrumentarium so erweitern, dass es genauso geahndet wird wie z. B. Autoraserei.

III Mein Fazit

Nach o. a. Logik sollte man die Leute nicht in die Privatwohnung zwingen, sondern private Treffen dort so weit wie eben möglich verhindern. Keine 10 Leute aus 2 Haushalten, nur ein Haushalt mit der Kernfamilie.Das geht nur durch attraktive Alternativen.

Im öffentlichen Raum kann man Maskentragen, Abstände und Luftqualität viel besser steuern als in Privaträumen. Also muss man attraktive Räume öffnen, an denen die Menschen sich treffen können, ohne sich anzustecken oder zu frieren. Nur so bekommt man Akzeptanz und Steuerung des Geschehens.

IV Schlussbemerkung

Wer in meiner Argumentation einen Fehler findet, möge ihn bitte nicht behalten, sondern sich für eine konstruktive Diskussion melden. Ich kann nur klüger werden und vielleicht finden wir gemeinsam bessere Ansätze!

Dr. Heinz-Jürgen Althoff

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Kommentare 1

Gäste - Kerstin Beyreis am Dienstag, 08. Dezember 2020 11:46

Lieber Herr Althoff,
danke dass Sie in Worte gefasst haben, was ich schon seit einiger Zeit denke. Meine Kinder dürfen seit Wochen nicht im Verein trainieren, obwohl das Training immer draußen statt findet. Das ist aus meiner Sicht falsch, denn Training, Bewegung und frische Luft sind wichtig, und für die Kinder ist das Team deutlich motivierender als Sport allein mit der Mutter ;-) Und den Glühwein in der Kleingruppe auf dem Marktplatz halte ich auch für weniger gefährlich als ein Weihnachtsfest mit 10 Leuten im eigenen Wohnzimmer (plus die 8 Kinder unter 14 Jahren, die ja auch noch dabei sind).
Herzliche Grüße
Kerstin Beyreis

Lieber Herr Althoff, danke dass Sie in Worte gefasst haben, was ich schon seit einiger Zeit denke. Meine Kinder dürfen seit Wochen nicht im Verein trainieren, obwohl das Training immer draußen statt findet. Das ist aus meiner Sicht falsch, denn Training, Bewegung und frische Luft sind wichtig, und für die Kinder ist das Team deutlich motivierender als Sport allein mit der Mutter ;-) Und den Glühwein in der Kleingruppe auf dem Marktplatz halte ich auch für weniger gefährlich als ein Weihnachtsfest mit 10 Leuten im eigenen Wohnzimmer (plus die 8 Kinder unter 14 Jahren, die ja auch noch dabei sind). Herzliche Grüße Kerstin Beyreis
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