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Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

Die ewige Empörung über (vermeintlich) hohe Bonuszahlungen

Die öffentliche Kritik an vermeintlich unanständig hohen Bonuszahlungen in Unternehmen habe ich noch nie so richtig nachvollziehen können. Ich habe hier einmal versucht, die Dinge zu sortieren und komme zu dem Schluss, dass die jährliche Aufregung über Bonuszahlungen – abgesehen von exzessiven Einzelfällen, in denen sie berechtigt sein mag – bewusst ideologisch befördert wird. Oder übersehe ich etwas?

In weiten Kreisen der Bevölkerung erzeugt mediale und teilweise von den Unternehmen selbst betriebene Berichterstattung den Eindruck, ein „Bonus" sei eine Zahlung „on top". Ist das denn so?

In vielen Fällen wird das ausgehandelte Gehalt eines Mitarbeiters (auch Zielgehalt oder Jahresbruttogehalt genannt) unterteilt in einen fixen Bestandteil (beispielhaft 85 %) und einen variablen (beispielhaft 15 %). Der variable Bestandteil führt dazu, dass Teile des Zieleinkommens nur ausgezahlt werden, wenn bestimmte Ziele erreicht werden. Ansonsten wäre – unabhängig vom persönlichen oder Unternehmenserfolg – ohnehin alles fix. In einigen Fällen werden Ziele auch übererfüllt – und damit wird das Jahresgehalt über 100 % des Zielgehalts liegen. Die Kritiker (zu) hoher Gehälter dürften grundsätzlich sehr angetan von diesem Modell sein.

Nun ist es so, dass für bestimmte Berufsgruppen das Jahresgehalt ganz anders aufgeteilt wird. Beispielsweise 50 % fix und 50 % variabel. Oder sogar 30 % fix und 70 % variabel.

Aktuell ist mal wieder die Deutsche Bank im Fokus. Sie zahlte 2019 fixe Gehälter von gut 8 Mrd. Euro und variable Gehälter (Boni!) von knapp 2 Mrd. Euro. Im Schnitt also im Verhältnis gut 80 % fix und knapp 20 % variabel. Völlig normal, wenn man bedenkt, dass Investmentbanker beispielsweise üblicherweise anteilig ein deutlich niedrigeres Festgehalt beziehen.

Wenn die Deutsche Bank (sie dient hier nur als Beispiel) jetzt im Gerede ist, weil sie erneut 2 Mrd. Euro „Bonus" ausschütten will, hört sich das gewaltig an. Es ist aber „nur" der Teil der Jahresgehälter, der variabel ausgehandelt wurde. Da mag es einige Personen geben, die exorbitant mehr erhalten als 100 % vom Jahresgehalt, weil sie ihre Ziele deutlich übertroffen haben. Andere erhalten (zum Teil deutlich) weniger. In der öffentlichen Berichterstattung bzw. Wahrnehmung jedoch entsteht der Eindruck, als würden 2 Mrd. Euro ZUSÄTZLICH zum Jahresgehalt (von 100 %) ausgezahlt. Der zusätzliche Teil ist jedoch nur ein Bruchteil davon – das meiste ist der Teil, der zur Erreichung des ausgehandelten Jahresgehaltes dient. Zur Erinnerung: Das wäre ansonsten ein Teil des Fixgehalts.

Ist die jährliche Aufregung über exorbitante, unanständig wirkende Bonuszahlungen also bewusst ideologisch befördert? Oder führt einfach nur eine unscharfe Wortwahl (Nutzung des Begriffs 'Bonus' statt 'variable Vergütung') zu der öffentlichen Empörung?

Udo Fichtner
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Kommentare 1

Udo Fichtner am Montag, 22. Februar 2021 10:26

Noch eine Ergänzung: Die aufsichtsrechtlichen Vorgaben sind für Banken natürlich andere als für "normale" Unternehmen. Ich habe die Deutsche Bank hier nur beispielhaft erwähnt, weil sie gerade mit der Summe von 2 Mrd. Euro wieder in den Zeitungen steht. Mein Eindruck ist aber, dass nicht die aufsichtsrechtliche Auseinandersetzung die Empörung auslöst, sondern die Höhe der Bonuszahlung an sich. Und mein Beitrag ist der Versuch, die Höhe einmal ins rechte Licht zu rücken.

Noch eine Ergänzung: Die aufsichtsrechtlichen Vorgaben sind für Banken natürlich andere als für "normale" Unternehmen. Ich habe die Deutsche Bank hier nur beispielhaft erwähnt, weil sie gerade mit der Summe von 2 Mrd. Euro wieder in den Zeitungen steht. Mein Eindruck ist aber, dass nicht die aufsichtsrechtliche Auseinandersetzung die Empörung auslöst, sondern die Höhe der Bonuszahlung an sich. Und mein Beitrag ist der Versuch, die Höhe einmal ins rechte Licht zu rücken.
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