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Industrie 4.0 und Digitalisierung: Deutschland analysiert und diskutiert (noch immer)

Martin Schütz - Industrie 4.0

Jeder redet über diese Begriffe. Die Definitionen und Auslegungen sind so vielschichtig wie unterschiedlich. Ich habe den Eindruck, dass diese Begriffe in der Praxis einer erschreckenden inhaltlichen Erosion unterliegen. Es ist die 4. industrielle Revolution, die wir heute erleben. Die beginnt nicht erst, wir sind bereits mittendrin! Die Kommunikation von Maschinen mit Maschinen, die Übernahme von Entscheidungen durch Maschinen, kurz die datentechnische Vernetzung unserer gesamten Gesellschaft betrifft jeden von uns!

Gute Auftragslage – (k)ein Innovationstreiber?

Paradoxerweise führt die aktuell sehr gute Auftragslage in der deutschen Industrie zu keinem breiten Innovationsschub und zu mehr Digital Champions in der deutschen mittelständischen Wirtschaft.

  • Der Mangel an Experten durchzieht ganze Branchen. Die Firmen suchen nach Experten, nur vereinzelt nach un- oder angelerntem Personal. Kaum ein Unternehmen hat die Zeit, um die künftigen Mitarbeiter in Sprache, Schulbildung, Berufsausbildung oder gar in einem Fachstudium weiterzuentwickeln.
  • Operative Anforderungen haben immer die höchste Priorität. Bei der Verteilung der Ressourcen haben aktuelle Aufträge immer die Nase vorne und die Innovationsteams werden recht überschaubar.
  • Der Wettbewerbsdruck zwingt die Unternehmen, ausschließlich die jetzt kosten- und zeitgünstigste Lösung umzusetzen. ROIs von weniger als 18 Monaten sind üblich.
  • Nur große Unternehmen können sich – personell sowie wirtschaftlich – starke Teams für die Industrie 4.0 und die Digitalisierung leisten. In Deutschland wird jedoch neben diesen digitalen Leuchttürmen ein großer Teil der Wirtschaftsleistung durch mittelständische Unternehmen erbracht.
  • Die solide Hardware ist die Basis für den aktuellen Erfolg des deutschen Maschinenbaus. Aber: Weltweit nehmen „smart applications", also intelligente Technologien der digitalisierten Welt und die Vorhaben zur Künstlichen Intelligenz exponentiell zu.

Der Interim Manager – (k)ein zahnloser Papiertiger?

Was können wir als Interim Manager in einem solchen Umfeld für unsere Kunden tun?

  • Eine Strategie: Genau auf die Situation des Unternehmens oder Fachbereiches zugeschnitten -  zur Erreichung der Unternehmensziele. Eine solche Strategie, auf die wir aufsetzen können, sollte auf alle Fälle vorliegen.

ABER: Oft beschränkt sich die Denkwelt in den Firmen auf die üblichen Unternehmenskennzahlen. Schön, das beruhigt die Controller (Verzeihung, liebe Finanzkollegen!). Die langfristige Planungssicherheit ist bei der aktuellen Marktdynamik jedoch schon heute verloren gegangen. Die Unternehmen brauchen aber eine klare Technologie- und Prozessstrategie! Die „digitalen" Technologien der Kommunikation, Big Data usw. stehen dabei natürlich ganz oben auf der Liste.

Ich freue mich immer wieder, wenn meine Kunden hier meinen Empfehlungen folgen und meine Erfahrungen aus zurückliegenden Mandaten nutzen.

  • Es sind dringend deutlich mehr Investitionen für die Umgestaltung notwendig.

Meine Beobachtungen zeigen jedoch, dass es (zu) viele zurückhaltende Unternehmen gibt. Vor „neu" kommt „billig". Beispiel Fertigungsanlagen: An was wird zuerst gespart? Richtig: An allen Funktionen, die das Produkt nicht direkt beeinflussen! An der Stelle wird es auch für uns schwierig, die Kunden für die Zukunft zu gewinnen.

Hier müssen endlich viel mehr und wirklich lukrative Anreize und Randbedingungen durch die Politik geschaffen werden. Selbst das „schnelle Internet" wird mancherorts nur belächelt. Parteiprogramme, Lippenbekenntnisse, Analyseaufträge, Selbstcheck-Apps und das Schütteln von Roboterhänden auf Messen reichen hier sicher nicht aus!

  • Visionen brauchen unsere Kunden. Die Zukunft beginnt aber heute und im Kleinen!

Wir können die kleinen Probleme in den Unternehmen transparent machen und hands-on beseitigen helfen. Meistens wissen die Mitarbeiter recht genau, wo und wodurch ihre Arbeit behindert wird. Erfragen Sie es! Kleine Ärgernisse können große Auswirkungen haben! Oft haben wir als Externe den längeren Hebel, um Kleinigkeiten schnell zu tun. Dort, wo Mitarbeiter und Verantwortliche resignieren oder in „sozialer" Rücksicht nicht reagieren, können und müssen wir zur Stelle sein. Wir sollten jeden Tag die Experten vor Ort einbeziehen und unterstützen. Damit gewinnen wir die Teams auf dem Weg zu einer agilen Unternehmenskultur. Nur so können wir die vielerorts noch vorhandene L(a)ehmschicht durchdringen.

Martin Schütz - Industrie 4.0

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