Hohe KI-Ambitionen, schwache IT-Basis: Stabilisierung und Zukunftsausrichtung eines mittelständischen Lebensmittelinnovators durch Interim CIO

Branche: Lebensmittelindustrie / Forschung & Entwicklung

Linienfunktion:  IT (CIO)

Thema: Service Management, Künstliche Intelligenz - KI, OT-Security, Digital Adoption

Umsatz: >100 Mio. Euro

Mitarbeiter: ca. 150 

Aufgabe:

Ein mittelständischer Innovationsführer der Lebensmittelindustrie hatte Künstliche Intelligenz bereits früh als Schlüssel für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit erkannt. Erste Anwendungen in Forschung, Produktentwicklung und Verwaltung waren bereits im Einsatz. Gleichzeitig verfolgte die Geschäftsführung weitreichende Ambitionen für den Einsatz von KI, sodass konkrete Strategien und Umsetzungspläne für eine deutlich tiefergehende Nutzung entwickelt werden mussten.

Die Herausforderung: Hohe Innovations- und KI-Ambitionen trafen auf eine historisch gewachsene IT mit erheblichen Schwächen in Organisation, Prozessen und technischer Basis.

Das inhabergeführte Unternehmen verfügte über eigene Forschungseinrichtungen, moderne Labore, Produktions- und Entwicklungsstandorte in Deutschland sowie einen Standort in China.

Nach dem Ausscheiden des IT-Leiters entstand jedoch eine kritische Situation. Die verbliebene IT-Mannschaft war personell ausgedünnt, zentrale Wissensträger hatten das Unternehmen verlassen und wichtige Dokumentationen fehlten oder waren nicht mehr aktuell. Das Service Management stand kurz vor dem Kollaps. Offene Tickets hatten sich über längere Zeit aufgebaut, die Zufriedenheit der Fachbereiche sank und die IT wurde zunehmend als Engpass statt als Innovationspartner wahrgenommen.

Die Leistungsfähigkeit und Akzeptanz der IT stand also in klarem Missverhältnis zur Ambition und dem digitalen Zukunftsbild. Der notwendige Business-IT-Fit war nicht (mehr) gegeben.

Die IT Funktion im Unternehmen als strategische Funktion im Dreieck der Strategien

Der Eigentümer suchte daher bewusst keinen klassischen IT-Betriebsleiter, sondern einen erfahrenen Interim Executive, der sowohl die akute Situation stabilisieren als auch die strategische Zukunftsfähigkeit der IT bewerten und weiterentwickeln konnte.

Lösung:

Alle Anstrengungen und die gesamte Orchestrierung des Mandates waren konsequent auf drei zentrale Foki ausgerichtet: (1) die akute Stabilisierung von IT und Services, (2) den strategischen Review der IT- und OT-Landschaft sowie (3) die Entwicklung und Verankerung von KI im Kerngeschäft.

Fokus 1: Operative Stabilisierung der IT

Zu Beginn stand die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit der IT-Organisation im Vordergrund. Gemeinsam mit dem verbliebenen Team wurden Prioritäten neu geordnet, kritische Risiken identifiziert und Sofortmaßnahmen eingeleitet.

Das Service Management wurde grundlegend neu strukturiert. Unterstützt durch einen neu ausgewählten strategischen Partner entstanden belastbare Service-Prozesse, transparente Verantwortlichkeiten und ein professionelleres Betriebsmodell. Parallel wurde das Workplace-Management neu aufgestellt. Dies entlastete das interne Team und schuf Freiräume für höherwertige Aufgaben mit größerem Business-Nutzen.

Fokus 2: Strategischer Review der IT & OT sowie der Enterprise-Landschaft

Parallel zur Stabilisierung wurde eine umfassende Bewertung der gesamten Unternehmens-IT durchgeführt. Im Fokus standen die komplexe SAP-Landschaft, Infrastruktur, Netzwerke, Security, Service-Prozesse, Datenflüsse, Laboranwendungen, Produktionssysteme sowie die bestehende Lieferanten- und Sourcing-Struktur.

Die IT-Landschaft war über Jahre gewachsen und sukzessive modernisiert worden, allerdings nicht vollständig integriert. Ein Hindernis auf der Reise zum Daten- und KI-getriebenen Unternehmen.

Besonderes Augenmerk lag auf den zu überwindenden technischen Schulden (Technical Debt) sowie der Frage, welche technologischen Voraussetzungen für die zukünftigen KI-Ziele des Unternehmens geschaffen werden müssen.

Im Rahmen des Mandates wurden zudem strukturierte Steuerungsansätze für die Operational Technology entwickelt.

Die zunehmende Vernetzung von Produktionsanlagen, Laborumgebungen und Unternehmens-IT machte eine stärkere Betrachtung von Cyber-Risiken erforderlich. Sofortige Optimierungen wurden umgesetzt, parallel wurden weitergehende Maßnahmen definiert, um die Resilienz und Sicherheit der Produktions- und Forschungsumgebungen langfristig zu erhöhen.

Fokus 3: Künstliche Intelligenz in den Kern des Unternehmens bringen

Ein wesentlich prägender Fokus des Mandates war die Unterstützung und Ermöglichung der KI-Ambition des Eigentümers.

Als Lebensmittelhersteller unterliegt das Unternehmen hohen regulatorischen Anforderungen. Gleichzeitig entstehen täglich große Mengen an Forschungs-, Qualitäts-, Produktions- und Geschäftsdaten. Die zuvor geschaffene Transparenz über Systeme, Daten und Prozesse bildete daher eine wichtige Grundlage für die weitere Umsetzung von durchgängigen KI-Anwendungen, insbesondere für Kunden.

Gemeinsam mit Management, Forschung und Fachbereichen wurden bestehende Ideen, Anforderungen und Potenziale strukturiert erfasst. Mithilfe meines AI-Portfolio-Navigators wurden die identifizierten Anwendungsfälle transparent gemacht und als AI-Portfolio hinsichtlich Nutzen, Machbarkeit und Priorität bewertet.

AI Portfolio Navigator (by KH Schulte)

Für Verwaltung und Wissensarbeit wurde ein unternehmensweiter Zugang zu KI-Technologien geschaffen. Ziel war es, Produktivität, Wissensmanagement und Zusammenarbeit zu verbessern. KI-Agenten sollten weitreichende Arbeiten der Verwaltung automatisieren.

Parallel wurden für Forschung und Labor spezifische Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz identifiziert, erste MVPs umgesetzt wie beispielsweise ein RAG System auf Forschungsdaten. Weitere Umsetzungsideen für kundenspezifische Lösungen konnten nun realistisch umgesetzt werden.

Damit wurde die Grundlage geschaffen, um die Innovationskraft des Unternehmens langfristig durch moderne Daten- und KI-Technologien zu stärken.

Ergebnis:

Neben der Stabilisierung des IT-Betriebs lag der Schwerpunkt auf der strategischen Weiterentwicklung der Unternehmens-IT. Gemeinsam mit Eigentümer und Geschäftsführung wurden die bestehende IT- und Datenlandschaft bewertet, Modernisierungsbedarfe identifiziert und eine Perspektive für mehr Skalierbarkeit, Sicherheit und Zukunftsfähigkeit entwickelt.

Zudem entstanden die Grundlagen für eine unternehmensweite KI-Durchdringung im Kern des Geschäftes. Dafür wurden technische Voraussetzungen geschaffen und konkrete Anwendungsfelder in Verwaltung, Wissensmanagement und Forschung initial umgesetzt und als Portfolio bewertet.

Das Ergebnis war nicht nur eine stabile IT-Organisation, sondern auch eine belastbare Grundlage für die weitere Digitalisierung, datengetriebene Entscheidungen und zukünftige KI-Initiativen.

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Freitag, 12. Juni 2026

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