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Wirecard Brasilien verkauft - unser Projekt wird einfacher!

Fank P. Neuhaus - Spezialist für Brasilien mit Sitz in São Paulo

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag der vergangenen Woche gab PagSeguro, das Kartenakkreditierungsunternehmen der UOL-Gruppe mit Sitz in São Paulo, den Kauf von Wirecard Brasilien bekannt. Die Übernahme muss noch von der brasilianischen Zentralbank und der Monopolaufsichtsbehörde Cade genehmigt werden. Der Transaktionswert wurde nicht bekannt gegeben.


PagSeguro ist ein Unternehmen mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden US-Dollar, 5,5 Millionen aktiven Kunden und einem Transaktionsvolumen von 25 Milliarden US-Dollar. Wirecard Brasilien weist in Brasilien einen Umsatz von 24 Millionen US-Dollar und 200 Tausend Kunden und ein Transaktionsvolumen von 1 Milliarde US-Dollar auf. Wirecard ist ein Sublender in Brasilien und begann seine Aktivitäten in dem Land mit dem Kauf von Moip im Jahr 2016 durch eine Investition von 50 Millionen US-Dollar.

Seit mehreren Jahren konzentriert sich PagSeguro darauf, die Erfassung von Zahlungen in der physischen Welt zu priorisieren und nun das Angebot des elektronischen Handels durch die Aquisition von Wirecard Brasilien zu stärken. Darüber hinaus bietet PagSeguro nun Dienstleistungen an, die zu den besten auf dem lokalen Markt gehören, wie zum Beispiel "Split-Zahlungen", bei denen der Wert einer Transaktion für mehr als einen Empfänger getrennt wird.

Dazu muß man wissen, dass seit mehr als 15 Jahren in Brasilien alle Kassen, Kreditkartenlesegeräte, Rechnungsstellungen, Produktionsprozesse z.B. in der Getränkeindustrie (aber auch anderen) direkt mit dem Finanzamt verbunden sind und die anfallenden Steuern sofort innerhalb des Systems abgeführt werden, unabhängig davon, ob es sich um föderale, bundesstaatliche oder kommunale Steuern und Abgaben handelt.

Das gilt auch für verbundene Verkäufe unterschiedlichster Unternehmen wo z.B. physische Waren mit Dienstleistungen gekoppelt sind. Für einen Endkunden bedeutet das auch, dass man hier bei Bezahlung seine Steuernummer angibt und der Kauf direkt damit verbunden ist. Der Käufer erhält dann einen Teil der gezahlten Umsatzsteuer auf sein Konto zurück gebucht. Das soll dafür sorgen, dass soviel wie möglich elektronisch gezahlt wird, was hervorragend funktioniert. 

Das Waschen von Schwarzgeld ist somit in Brasilien seit Jahren stetig zurückgegangen. Hier im Land weiss man, dass eine hoher Bargeldumlauf auch immer etwas mit Geldwäsche zu tun hat. 

In einer Präsentation für den brasilianischen Markt weist PagSeguro auf das Potenzial von 26 Milliarden US-Dollar im E-Commerce hin. Das Land befindet sich auf einem ähnlichen Weg zur Marktdurchdringung wie nordamerikanische Internet-Käufe in Bezug auf die Gesamteinkäufe.

Der Wirecard-Skandal, obwohl in Deutschland beheimatet, griff auf die brasilianische Tochterfirma über, sodass sich deren Image rasant verschlechterte, was die Ladenbesitzer dazu veranlasste, eine Vorauszahlung der über Wirecard getätigten Kartenforderungen zu verlangen. Dieser Schritt wiederum drückte auf die Liquidität von Wirecard Brasil.

Ich bin derzeit an einem Projekt mit einer regionalen Franchise-Kette für Coffeeshops in São Paulo beteiligt. Das Unternehmen ist seit Jahren Kunde von iManagementBrazil. Projekte im Krisen-Liquiditätsmanagement wurden in der Startphase des Unternehmens durchgeführt, ebenso wie spätere Projekte in der Expansions- und Kundenbindungsphase. Heute unterhält die Kette fast 20 physische Verkaufsstellen im Großstadtkomplex der Stadt São Paulo. Das Stadtgebiet beherbergt fast 23 Millionen Menschen.

Das dritte Projektpaket umfasst derzeit die massive Ausweitung des digitalen Geschäfts über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, einschließlich der elektronischen Integration rein spezialisierter Backwarenlieferanten. Dies umfasst alles vom Einkauf bis zu den Lieferdiensten sowie die digitale Anbindung und wertschöpfende Integration von Kleinstunternehmen, die nur über digitale Kanäle verkaufen.

Diese Unternehmen nutzen Plattformen wie Instagram und TikTok auf sehr professionelle Weise für ihr Marketing und ihre Werbung. Die Integration umfasst auch digitale Anbieter von bezahlten Live-Veranstaltungen, zum Beispiel zur Herstellung bestimmter Kuchen oder anderer Backwaren. Der Teilnehmer kauft ein Kit mit den Zutaten, das dann an den Haushalt geschickt wird. Gleichzeitig erhält der Teilnehmer einen Code für eine geschlossene Zoom-Live-Übertragung. Bei dieser Veranstaltung wird das Produkt dann gemeinsam produziert. 

Die Essenz des Projektes liegt eigentlich in der Anwendung von einem digitalen Plattformdenken in der Welt des sog. Small Business. Es geht hier also um die Generierung von auswertebaren Daten welche dann zu Informationen werden, um die Administration aller am Wertschöpfungsprozeß beteiligten Unternehmen, eben auch der Mikro-Unternehmen, zu verbessern. Weiterhin wird das System unseres Mandanten zu einem Marketinghebel für alle Teilnehmer und entbehrt somit die bisherige schier unlösbare Marketingaktivität via Instagram oder TikTok der Mikro-Unternehmen. Die gemeinsam geschaffene und fokussierte Plattform generiert den Mehrwert für alle Teilnehmer. 

In der aktuellen Projektphase befassten wir uns mit der Evaluierung von digitalen Zahlungssystemen. Wir hatten noch 17 Systeme in der Evaluation. Aufgrund der Komplexität der Integration von Kleinstunternehmen mit ihren spezifischen Komplementärprodukten ist die Auswahl des digitalen Zahlungssystems unter Berücksichtigung der Split-Payment-Funktion, einschließlich der entsprechenden direkten fiskalischen Abwicklung, im Projekt von größter Bedeutung. Der Schritt, Wirecard Brasil zu verkaufen, hat die Auswahl spürbar erleichtert.

Ein detaillierter Projektbericht wird nach Abschluss des Projektes, voraussichtlich Ende September 2020, veröffentlicht. Ebenso planen wir, den Projektreport infolge der Aktualität der Themen wie Digitalisierung, sowie der Dynamik des Projektes, als Videoformat zu editieren und auf dieser Plattform zu veröffentlichen. 

Frank P. Neuhaus
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