UNITEDINTERIM Blog

Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

COVID-19: Was aus Sicht des Ingenieurs wirklich hilft – und was eben nicht.

Einleitung: Ich möchte hier schlüssig, aber mit möglichst einfachen Worten zeigen, was sich ein naturwissenschaftlich orientierter Mensch wünscht, der sich nicht nach politischer Machbarkeit richtet, um COVID-19 mit maximaler Wirksamkeit und möglichst wenig Störung in den Griff zu bekommen. Leider viele Worte, aber manchmal ist lückenlose Argumentation notwendig.

Zusammenfassung: Zur Eindämmung von COVID-19 ist nichts weiter nötig als die Anwendung der L+AHA Regeln. Aber sie muss konsequent und lückenlos erfolgen, bis in den Familien-, Freundes- und Kollegenkreis. Jede Ausnahme ist Gift. Nur die Kernfamilie, also Paare und ihre Kinder aus Praktikabilitätsgründen müssen ausgenommen werden. Aber rein logisch müsste man auch die voneinander isolieren!
All die anderen Regeln „wer, wo, wann wie viele" sind absolut unnötig, verwirrend, erzeugen Widerstand und stören unser aller Lebensgrundlage, die Wirtschaft.

I Quarantäne ja oder Nein?

Quarantäne und Isolation sind altbekannte Mittel zur Abgrenzung lokaler Infektionsherde, seien es Menschen, Gruppen, Gebiete usw., also auch gegen Epidemien. Sie dienen dazu, Infizierte von Nichtinfizierten zu trennen, um Letztere zu schützen.

Das funktioniert nicht mehr, sobald nicht ausgeschlossen werden kann, dass Ansteckende unter den Nichtinfizierten sind. Sie stecken unerkannt immer mehr Menschen an. Genau das passiert bei einer Pandemie mit großräumig bis überall verteilten und gar unbekannten Infektionsquellen. Kontakte sind nicht mehr nachzuverfolgen, Ansteckende nicht mehr identifizierbar. Überall sind ansteckende Mitmenschen unter uns, auch unter denjenigen, die wir täglich treffen.

Die Folge: Jeder, aber auch jeder, der nicht nachgewiesen zum aktuellen Zeitpunkt absolut sicher infektionsfrei ist, muss in Quarantäne!

Genau das ist der Sinn der L+AHA-Regeln! Korrekt angewendet bewirken sie, dass kein Infektiöser seine Mitmenschen mehr anstecken kann. Im Grunde also eine Quarantäne für alle. Und zwar keine Quarantäne „light", sondern hocheffektiv und genau angepasst an die Funktionsweise der Infektion.

Wie kann das funktionieren? Sehen wir uns die grundlegenden Mechanismen an:

II Infektionswege

Oftwird vergessen, dass Viren sich außerhalb der Wirte nicht vermehren können. Im krassen Gegensatz dazu vermehren sich Bakterien, Pilze und sonstige Schädlingen an vielen Stellen und werden damit erst richtig gefährlich. Viren sind keine Lebewesen, sondern nur DNA in einer Hülle, die fremde Zellen kapern müssen, um zu leben. Wenn Sie nicht bald einen Wirt finden, gehen sie schlicht und einfach kaputt. Sie fallen regelrecht auseinander, so dass man zwar oft DNA-Bestandteile findet, aber keine kompletten Baupläne. Der Virologe nennt das „nicht anzüchtbar".

Demzufolge unterscheiden sich die Infektionswege in ihrer Häufigkeit deutlich von denen der Bakterien und Pilze:

1. Schmierinfektion:

a. Definition: Viren auf Oberflächen übertragen sich durch direkten Kontakt über mehrere Stationen.

b. Beschreibung: Zwischen dem z. B. Niesen auf die kontaminierte Oberfläche bis zu den Schleimhäuten liegen i. d. Regel mindestens die Zwischenstation Hand, die die Viren verdünnt. So ist es z. B. nicht üblich, Türklinken oder gar das in China angeblich als Quelle identifizierte Tiefkühlfleisch abzulecken. Das ist also Blödsinn oder Propaganda. Danach muss die Hand dann noch Schleimhäute berühren, da das Virus nicht durch die Haut eindringt. Je länger die Kette, desto mehr wird die Viruslast verdünnt. Dazu mehren sich die Anzeichen, dass Bestandteile des Virus zwar lange nachweisbar sind, die Viren aber schnell ihre Funktionalität/Infektiösität verlieren.

c. Maßnahmen: Möglichst wenige Menschen und Dinge zu berühren einschließlich seiner eigenen Schleimhäute. Wenn Berührungen von vermutlich stark kontaminierten Oberflächen wie z. B. Händen, Wangen, Lippen und Türgriffen, nicht aber Kleidung der Menschen, unumgänglich sind, unterbricht Waschen (nicht nur der Hände!) die Kette bis zur nächsten Berührung.

2. Tröpfchen

a. Definition: Tröpfchen sind (wie auch größere Festkörper) Partikel, die von Massekräften, also Schwerkraft (Gewicht) und Trägheit (Schwung) bewegt werden

b. Beschreibung: Je nach Größe bewegen sie sich die Tröpfchen mehr oder weniger lange in die ursprüngliche Richtung, fallen aber dann auf den Boden. Beispiel: Gewehrkugel, Apfel, Sand, Wassertropfen. Virenbelastete Tröpfchen aus der Atemluft fallen typischerweise nach 1- 1,5 m zu Boden bzw. so tief, dass sie mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht mehr eingeatmet werden.

Der Übergang zu Aerosolen ist fließend: Je stärker die Luftbewegung, desto größere Partikel werden mitgerissen, dabei aber auch verdünnt.

c. Maßnahmen: Mindestens 1,5 - 2m Abstand zu Menschen. Falls dieser Minimalabstand nicht möglich ist: Masken. Sie halten Tröpfchen sehr gut zurück, da sie sich zu einem sehr hohen Prozentsatz im Gewebe der Maske „verfangen". Der Rest wird so abgelenkt, dass sie nicht mehr weit fliegen können.

3. Aerosole

a. Definition: Aerosole sind Partikel, die so leicht sind, dass sie überwiegend von Strömungskräften bewegt werden. Eine besonders perfide Gefahr. Verständlicher wäre es, sie Schwebstoffe zu nennen.

b. Beschreibung: Aerosole schweben lange in der Luft und werden von kleinsten Luftbewegungen im Raum verteilt (und verdünnt). Beispiele: Extrem feiner Staub, Zigarettenrauch, Wasserdampf, Parfum, aber auch Seifenblasen und Fesselballons. Wesentlich ist, dass sie von der (Luft-)Strömung bewegt werden und sich ähnlich wie Gase verhalten.

Da jede Bewegung und jeder Temperaturunterschied (Heizung) Luftbewegungen erzeugt, sind virenbelastete Aerosole in geschlossenen Räumen nach einiger Zeit ausnahmslos überall zu finden. Wenn in der einen Ecke des Raums geraucht wird, riecht man es kurze Zeit später ja auch im ganzen Raum!

Deshalb ist Corona in der kalten Jahreszeit so gefährlich: Wir haben uns nach drinnen verzogen, halten die Fenster geschlossen und hocken in abgestandener Luft! Wir jammern über Kälte, Zug (Im Sommer nennt man das draußen „Laues Lüftchen") und warme Kleidung, Komfort ist uns wichtiger als Gesundheit.

c. Maßnahmen: Die Aerosole müssen aus geschlossenen Räumen entfernt werden, entweder durch Lüften, Filtern der Luft oder Zerstören der Viren. Im einfachsten Fall hilft also Lüften, und zwar zum tatsächlichen Austausch Querlüften, nicht einfach das Fenster kippen. Zur Not geht auch ein Ventilator in einer Fensterecke, der ordentlich Zug erzeugt. Langsam laufende Lüfter im Raum können dabei helfen, die Aerosolwolken während der Lüftvorgänge aus den Ecken zu spülen.

Wenn Lüften unmöglich oder unzumutbar ist, müssen Lüftungsanlagen mit hoher Durchsatzrate und effektiver Entfernung durch Filter oder Zerstörung durch UVC, Plasma usw. eingesetzt werden. Auch in diesem Fall können langsam laufende Lüfter helfen, um tote Ecken „auszuwaschen".

Alltagsmasken halten Aerosole nur dann zurück, wenn sie dicht abschließen und möglichst kleine Poren haben. Alle Aerosole, die an der Maske oder den noch immer anzutreffenden Kunststoffvisieren vorbeiströmen, verteilen sich im Raum wie ohne Maske. Nur FFP2/3-Masken ohne Ausatemventil verbessern richtig getragen die Situation erheblich, sind aber deutlich unkomfortabler und außerdem teuer.

Abstand hilft nur im Freien, wo die Aerosole verdünnt werden. Klare Luft und Wind verbessern die Situation, Flaute und Nebel verschlimmern sie. In geschlossenen Räumen hilft Abstand nicht, da sich die Aerosole im ganzen Raum verteilen. Sie müssen also entfernt oder abgetötet werden.

d. Quantifizierung: Da sich Aerosole unsichtbar verteilen können, wäre es wünschenswert, ihre Konzentration messen zu können. Das ist leider sehr aufwändig und damit nicht praktikabel

Aber dieselben Menschen, die Aerosole ausstoßen, setzen auch CO2 frei. Handygroße Messgeräte für dieses Gas gibt es für gut 25 €. Damit hat man über die CO2-Konzentration ein Maß für die Belastung mit Aerosolen, also die maximale Viruslast. Man muss lediglich vorher im leeren Raum messen, wie hoch die Belastung durch nicht-menschliche CO2-Quellen wie Verbrennungsheizungen, Kerzen, Küche usw. ist. Dabei kommt es nicht so sehr auf den genauen Messwert an, sondern auf den Unterschied zwischen dem leeren und besuchten Raum und der ist gewaltig. Je nach Dichtheit der Fenster verdoppelt ein einziger Mensch in einem mittleren Wohnzimmer locker die natürliche Konzentration von knapp 500 ppm (0,5‰).

Es fehlt also lediglich ein Grenzwert, über dem man erneut lüftet, die Anzahl der Menschen reduziert, die Lüftungsanlage hochfährt usw.. Der sollte ja mit der Wahrscheinlichkeit, wie viele der Anwesenden wohl infektiös sein können, festzulegen sein.

Leider liefert die CO2-Messung für die Maßnahmen Filterung und Virenzerstörung keine Anhaltspunkte. Aber hier werden Spezialisten Mittel und Wege finden, die Wirksamkeit zu messen

Mit einer so einfachen Messung ist es also möglich, geschlossene Räume wieder so zu nutzen, dass das Infektionsrisiko dasjenige an der frischen Luft kaum übersteigt. Das pauschale Schließen von Restaurants und Kulturbetrieben würde durch quantifizierte Maßnahmen ersetzt und jedem Verantwortlichen erlauben, zwischen Investitionen für Luftreinigung und Umsatzverlusten zu wählen.

Dr. Heinz-Jürgen Althoff

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