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Was Konzerne vom Mittelstand lernen können

Birthe Hora - Customer Care
Dem deutschen Mittelstand eilt weltweit ein hervorragender Ruf voraus – von höchster Qualität und solider Unternehmensführung. Nach mehreren Projekten in mittelständischen Unternehmen kann ich sagen: ja, stimmt!

Hier einige meiner Eindrücke:

  • Im Mittelstand können Entscheidungen oft sehr schnell getroffen werden: es gibt weniger Vorbesprechungen und einfachere Abstimmungsrunden als in den meisten Konzernen. Die Verantwortlichen werden direkt an einen Tisch geholt, es wird entschieden und dann umgesetzt.

  • Wird ein Problem erst einmal erkannt, bekommt es üblicherweise die volle Aufmerksamkeit der Geschäftsführung. Braucht das Unternehmen zur Lösung einen Experten von außen, wird er schnell geholt. Und bekommt wiederum die volle Unterstützung der Geschäftsführung.

  • Im Mittelstand hält sich kaum jemand mit „Politik" auf – mit Taktik und Verhalten im Sinne der eigenen Karriere im Unternehmen. Durch weniger Taktieren entsteht häufig ein größeres „Wir-Gefühl".

  • Ob in E-Mails oder in Meetings: im Mittelstand werden im Schnitt weniger Mitarbeiter eingebunden als in großen Konzernstrukturen. Die c/c-Empfänger-Liste in E-Mail-Verteilern ist kürzer, und nicht jeder fühlt sich aufgefordert, die „reply-to-all"-Funktion zu nutzen. So sparen sich alle Zeit.

  • Wenn ein Problem ernst ist, verbreitet sich schnell das Bewusstsein, dass es für jeden Einzelnen konkrete Auswirkungen haben kann. Dadurch gibt es eine hohe Bereitschaft, sich wirklich für das Unternehmen einzusetzen. Man ist näher dran, oft ja schon sehr lange dabei, die persönliche Verbundenheit und Identifikation mit dem Unternehmen ist hoch.

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Situationen, in denen Konzerne dem Mittelstand überlegen sind. Wenn es um Veränderungen geht, zum Beispiel. Deren Notwendigkeit wird oft im Konzern schneller erkannt und akzeptiert, und sie werden dann auch eher umgesetzt.

Und dennoch: Anregungen aus den Strukturen und Handlungsweisen von Mittelständlern könnten auch dem ein oder anderen Konzern nützlich sein. Wie sehen Sie das? Was sind die Vorteile im Konzern, was im Mittelstand? Wie können beide voneinander lernen?

Ich bin gespannt auf Ihre Meinung!

Birthe Hora - Customer Care

www.birthehora.com

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Kommentare 5

Gäste - Dr. Peter R. Schick am Sonntag, 12. November 2017 09:03

Liebe Frau Hora,

ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Konzernmanagement durch angestellte Manager zu Mittelstandmanagement, welches häufig von Inhabern wahrgenommen wird, ist das Ziel der Unternehmensführung:

Inhaber managen langfristig, so dass sie der Generation der Familie, die derzeit noch in den Windeln liegt, einst ein stabiles Unternehmen übergeben können. Das süsse Gift kurzfristiger Erfolgsstrategien, die das Unternehmen langfristig vielleicht ruinieren, steht dort fast immer im Hintergrund.

Angestellte Manager dagegen denken gerne kurzfristig und egoistisch bis zum nächsten Karriereschritt oder einer Vertragsverlängerung oder auch nur bis zur nächsten Tantieme. Vulgo: "Mein persönliches Ziel habe ich erreicht und hinter mir die Sintflut". Die Stakeholder billigen diese Denke in vielen Fällen, wie es den Wirtschaftsnachrichten nicht selten zu entnehmen ist. Mit einem (kurzlebigen) Erfolgsrecord findet sich die nächste Anstellung leichter.

Natürlich dürfen langfristig Erfolg versprechende Strategien von Inhabern nicht zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen.

Liebe Frau Hora, ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen Konzernmanagement durch angestellte Manager zu Mittelstandmanagement, welches häufig von Inhabern wahrgenommen wird, ist das Ziel der Unternehmensführung: Inhaber managen langfristig, so dass sie der Generation der Familie, die derzeit noch in den Windeln liegt, einst ein stabiles Unternehmen übergeben können. Das süsse Gift kurzfristiger Erfolgsstrategien, die das Unternehmen langfristig vielleicht ruinieren, steht dort fast immer im Hintergrund. Angestellte Manager dagegen denken gerne kurzfristig und egoistisch bis zum nächsten Karriereschritt oder einer Vertragsverlängerung oder auch nur bis zur nächsten Tantieme. Vulgo: "Mein persönliches Ziel habe ich erreicht und hinter mir die Sintflut". Die Stakeholder billigen diese Denke in vielen Fällen, wie es den Wirtschaftsnachrichten nicht selten zu entnehmen ist. Mit einem (kurzlebigen) Erfolgsrecord findet sich die nächste Anstellung leichter. Natürlich dürfen langfristig Erfolg versprechende Strategien von Inhabern nicht zum Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führen.
Birthe Hora am Montag, 13. November 2017 17:40

Lieber Herr Dr. Schick,

haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Das hätte ich nicht besser beschreiben können.

Und vielleicht ist es gerade das, was mir an der Tätigkeit für Unternehmen aus dem Mittelstand so gefällt: das Wissen und Bewusstsein, dass das heutige Handeln langfristige Auswirkungen auf die Zukunft des Unternehmens und der Mitarbeiter haben wird - und mit diesem Wissen im Genick auch die Verantwortung zu übernehmen und sein Handeln darauf abzustimmen. Ich würde persönlich in einem Konzern zwar auch keine andere (weniger verantwortliche) Handlungsweise an den Tag legen, aber die Auswirkungen sind eben - zumindest gefühlt - andere.

Herzlichen Dank nochmal und viele Grüße
Birthe Hora

Lieber Herr Dr. Schick, haben Sie vielen Dank für Ihre Einschätzung. Das hätte ich nicht besser beschreiben können. Und vielleicht ist es gerade das, was mir an der Tätigkeit für Unternehmen aus dem Mittelstand so gefällt: das Wissen und Bewusstsein, dass das heutige Handeln langfristige Auswirkungen auf die Zukunft des Unternehmens und der Mitarbeiter haben wird - und mit diesem Wissen im Genick auch die Verantwortung zu übernehmen und sein Handeln darauf abzustimmen. Ich würde persönlich in einem Konzern zwar auch keine andere (weniger verantwortliche) Handlungsweise an den Tag legen, aber die Auswirkungen sind eben - zumindest gefühlt - andere. Herzlichen Dank nochmal und viele Grüße Birthe Hora
Gäste - Reiner Lose am Samstag, 11. November 2017 15:00

Hallo Frau Hora,

sehr hilfreiche Erkenntnisse und Erfahrungen zu den Vorteilen von KMUs.

Es ist für Konzerne nicht leicht vom Mittelstand zu lernen, da die Unternehmensgröße eine wesentliche Einflussgröße für die Arbeitsweise und das Verhalten der Menschen in einer Organisation sind. Je größer eine Unternehmung, je anonymer ist das Management und die einzelne Führungskraft. Die größe einzelner Divisionen führt auch zur Aufteilung von Funktionen und Verantwortlichkeiten. Dies bedingt die Einschaltung eines größeren Personenkreises für Entscheidungen und deren Umsetzung.

Abhilfe würde nur die Schaffung von Führungspositionen mit größerem Funktionsumfang, ähnlich wie im Mittelstand, bringen. Dies setzt aber auch einen anderen Managertyp mit mehr unternehmerischen Denken und Verhalten voraus. Unternehmertypen sind genrell Mangelware. Es liegt im Trend, dass viele Manager eine begrenzte Verantwortung bei wachsendem Einkommen anstreben.

Wie kann sich eine Führungskraft in einem großen Unternehmen profilieren? Dies ist auf der gleichen Managementebene in den verschiedenen Meetings noch möglich, aber über mehrere Hierarchiestufen hinweg sehr schwer. Kluge Beiträge der Manager im Intranet, haben nur einen geringen Einfluss. Für Akzeptanz, Imagepflege und Überzeugung ist der zwischenmenschliche Kontakt in Arbeitsbesprechung und sonstigen Meetings wichtig. Die persönliche Ausstrahlung des Managers ist unverzichtbar für die Motivation der Mitarbeiter. Für die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sind die gelebten Werte der Vorgesetzten und des Top-Managements erforderlich. Hier ist der Mittelstand dem Konzern immer im Vorteil.

Viele KMUs sind fast ausschließlich mit dem Tagesgeschäft und der Erfüllung der Jahresplanung ausgelastet. Es fehlt ihnen oft langfristige Strategien zu entwicklen, die Potenziale der Internationalisierung und der Digitaliserung auszuschöpfen. Sie sind zwar schnell sich an geänderte Marktverhältnisse anzupassen, sind aber auf Disruption und größere Veränderungen nicht vorbereitet. Hier sind Konzerne durch ihre strategische Planung und Diversifikation zukunftssicherer.

Vor- und Nachteile von Konzernen und KMUs sind vielschichtig, aber beide sind auch in Zukunft voneinander abhängig.

Beste Grüße

Reiner Lose

Hallo Frau Hora, sehr hilfreiche Erkenntnisse und Erfahrungen zu den Vorteilen von KMUs. Es ist für Konzerne nicht leicht vom Mittelstand zu lernen, da die Unternehmensgröße eine wesentliche Einflussgröße für die Arbeitsweise und das Verhalten der Menschen in einer Organisation sind. Je größer eine Unternehmung, je anonymer ist das Management und die einzelne Führungskraft. Die größe einzelner Divisionen führt auch zur Aufteilung von Funktionen und Verantwortlichkeiten. Dies bedingt die Einschaltung eines größeren Personenkreises für Entscheidungen und deren Umsetzung. Abhilfe würde nur die Schaffung von Führungspositionen mit größerem Funktionsumfang, ähnlich wie im Mittelstand, bringen. Dies setzt aber auch einen anderen Managertyp mit mehr unternehmerischen Denken und Verhalten voraus. Unternehmertypen sind genrell Mangelware. Es liegt im Trend, dass viele Manager eine begrenzte Verantwortung bei wachsendem Einkommen anstreben. Wie kann sich eine Führungskraft in einem großen Unternehmen profilieren? Dies ist auf der gleichen Managementebene in den verschiedenen Meetings noch möglich, aber über mehrere Hierarchiestufen hinweg sehr schwer. Kluge Beiträge der Manager im Intranet, haben nur einen geringen Einfluss. Für Akzeptanz, Imagepflege und Überzeugung ist der zwischenmenschliche Kontakt in Arbeitsbesprechung und sonstigen Meetings wichtig. Die persönliche Ausstrahlung des Managers ist unverzichtbar für die Motivation der Mitarbeiter. Für die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, sind die gelebten Werte der Vorgesetzten und des Top-Managements erforderlich. Hier ist der Mittelstand dem Konzern immer im Vorteil. Viele KMUs sind fast ausschließlich mit dem Tagesgeschäft und der Erfüllung der Jahresplanung ausgelastet. Es fehlt ihnen oft langfristige Strategien zu entwicklen, die Potenziale der Internationalisierung und der Digitaliserung auszuschöpfen. Sie sind zwar schnell sich an geänderte Marktverhältnisse anzupassen, sind aber auf Disruption und größere Veränderungen nicht vorbereitet. Hier sind Konzerne durch ihre strategische Planung und Diversifikation zukunftssicherer. Vor- und Nachteile von Konzernen und KMUs sind vielschichtig, aber beide sind auch in Zukunft voneinander abhängig. Beste Grüße Reiner Lose
Birthe Hora am Montag, 13. November 2017 17:29

Lieber Herr Lose,

ganz herzlichen Dank für Ihr Feedback und Ihre Ansichten. Speziell Ihre Eindrücke zu den Themen "Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen" und "langfristige Strategie" finde ich interessant - und kann das durchaus auch bestätigen, zumindest in dem ein oder anderen Fall.

Viele Grüße und bis bald
Birthe Hora

Lieber Herr Lose, ganz herzlichen Dank für Ihr Feedback und Ihre Ansichten. Speziell Ihre Eindrücke zu den Themen "Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen" und "langfristige Strategie" finde ich interessant - und kann das durchaus auch bestätigen, zumindest in dem ein oder anderen Fall. Viele Grüße und bis bald Birthe Hora
Telat Kilicarslan am Freitag, 10. November 2017 08:22

Guten morgen Frau Hora ,

Ihren Beitrag finde ich sehr interesant, da ich sehr ähnliche und ebenso positive Erfahrungen gemacht habe.
Auch ich würde mir wünschen, dass die Flexibilität der KMU's von Konzernunternehmen übernommen werden könnten.

Bedauerlicherweise ist es den grossen internationalen Unternehmen i.d.R. nicht möglich, ebenso flexibel zu agieren.
Dies liegt meiner Meinung nach u.a. an folgenden Punkten:

- Anteilseignerstruktur und der daraus folgenden Befugnis- und Handlungsvollmacht des OFK (oberen Führungskreis)
- komplexer Organisationsaufbau; ein kleines Schiff kann auf Zuruf gesteuert werden, ein Kreuzfahrtschiff muss (auch bildlich) über verschiedene Ebenen gehen.
Und leider nein, Urlaub wird auf diesen Kreuzfahrtschiffen nicht gemacht..

Hier noch 2 ergänzende Erfahrungen meinerseits mit KMU's:

- teilweise sehr unterschiedliche Ansichten über die Honorarvorstellung.
Hier muss z.T. Aufklärungsarbeit geleistet werden. Interessanterweise sind diese Diskussionen
bei externen SAP Berater / Projektleiter nicht gegeben. Hier wird der Marktpreis akzeptiert.

- die Leistung als Interim Manager wird deutlicher wahrgenommen und entsprechend hoch und schnell ist die Akzeptanz (Flurfunk).


Frau Hora, danke nochmals für Ihren Beitrag !

Viele Grüße

Telat K.







Guten morgen Frau Hora :), Ihren Beitrag finde ich sehr interesant, da ich sehr ähnliche und ebenso positive Erfahrungen gemacht habe. Auch ich würde mir wünschen, dass die Flexibilität der KMU's von Konzernunternehmen übernommen werden könnten. Bedauerlicherweise ist es den grossen internationalen Unternehmen i.d.R. nicht möglich, ebenso flexibel zu agieren. Dies liegt meiner Meinung nach u.a. an folgenden Punkten: - Anteilseignerstruktur und der daraus folgenden Befugnis- und Handlungsvollmacht des OFK (oberen Führungskreis) - komplexer Organisationsaufbau; ein kleines Schiff kann auf Zuruf gesteuert werden, ein Kreuzfahrtschiff muss (auch bildlich) über verschiedene Ebenen gehen. Und leider nein, Urlaub wird auf diesen Kreuzfahrtschiffen nicht gemacht.. ;) Hier noch 2 ergänzende Erfahrungen meinerseits mit KMU's: - teilweise sehr unterschiedliche Ansichten über die Honorarvorstellung. Hier muss z.T. Aufklärungsarbeit geleistet werden. Interessanterweise sind diese Diskussionen bei externen SAP Berater / Projektleiter nicht gegeben. Hier wird der Marktpreis akzeptiert. - die Leistung als Interim Manager wird deutlicher wahrgenommen und entsprechend hoch und schnell ist die Akzeptanz (Flurfunk). Frau Hora, danke nochmals für Ihren Beitrag ! Viele Grüße Telat K.
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