Daten-Synchronisation als Kernaufgabe im CDO- und CIO-Mandat
Wer ein Mandat als CDO oder CIO übernimmt, arbeitet mit kompetenten Fachbereichen, gewachsenen Systemlandschaften und einer klaren Erwartung an Ergebnisse. Die eigentliche Arbeit liegt häufig an einer Stelle, die im Auftragsprofil selten ausformuliert steht: in der Frage, ob die Systeme des Unternehmens dieselbe Frage auch gleich beantworten.
Dieser Beitrag beschreibt fünf Dimensionen des Problems, ordnet die gängigen Lösungswege ein und zeigt am Beispiel der Plattform MAKOR, wie sich ein semantischer Ansatz innerhalb der Laufzeit eines Mandats umsetzen lässt.
1. DIE LAGE IN WOCHE DREI
Die ersten Wochen im Mandat verlaufen in vielen Fällen ähnlich. Die Fachbereiche liefern zuverlässig, die Gespräche sind offen, die Sachkenntnis in den Abteilungen ist hoch. Dann kommt der Moment, in dem zwei Auswertungen zum gleichen Sachverhalt nebeneinander auf dem Tisch liegen und zwei verschiedene Zahlen zeigen.
Beide Zahlen sind korrekt. Der Controlling-Bereich rechnet auf Buchungsperioden, der operative Bereich auf Kalenderwochen. Die eine Auswertung zählt die Organisationseinheit nach Kostenstellenlogik, die andere nach Standort. Die Bezeichnung "Einheit" trägt in drei Systemen drei Bedeutungen. Jede dieser Definitionen ist über Jahre aus guten fachlichen Gründen entstanden, und jede funktioniert innerhalb ihres eigenen Kontexts einwandfrei.
Die Schwierigkeit entsteht dort, wo eine Entscheidung Daten aus mehreren dieser Kontexte gleichzeitig braucht. Genau dort stockt das Mandat. Und genau dort verbrennt Zeit: in Abstimmungsrunden über Zahlenstände, in manuellen Abgleichdateien, in Nacharbeit an Berichten, die vergangene Woche schon abgestimmt waren.
Für ein Mandat mit begrenzter Laufzeit ist das die entscheidende Größe. Die Zeit, die in Abgleich fließt, fehlt in der Umsetzung.
2. FÜNF DIMENSIONEN, DIE ÜBER DIE BELASTBARKEIT ENTSCHEIDEN
In der Praxis lohnt es sich, das Thema in fünf Dimensionen zu zerlegen. Sie lassen sich einzeln prüfen und einzeln verbessern.
VERFÜGBARKEIT: Sind die benötigten Daten technisch erreichbar? Liegen sie in ERP, MES, Sensorik, Dokumenten, Registern oder Fachanwendungen, und existiert ein Zugriffsweg, der ohne manuellen Export funktioniert?
BEDEUTUNG: Trägt derselbe Begriff in allen beteiligten Systemen dieselbe fachliche Bedeutung? Ein "Auftrag", eine "Einheit", ein "Vorgang": Die Bezeichnung stimmt oft überein, der Inhalt weicht jedoch ab.
BEZUGSDIMENSIONEN: Beziehen sich die Werte auf dieselben Achsen? Zeitraster, Organisationsschnitt, Mengeneinheit, Währung, Aggregationsstufe. Abweichungen hier erzeugen Differenzen, die rechnerisch sauber und fachlich verwirrend sind.
HERKUNFT: Lässt sich zu jedem Wert nachvollziehen, aus welchem System er stammt, welche Transformation er durchlaufen hat und wer sie verantwortet? Diese Dimension entscheidet darüber, ob eine Zahl in einer Aufsichts-, Audit- oder Gremiensituation tragfähig ist.
GÜLTIGKEIT: Ist der Wert zum Zeitpunkt der Entscheidung noch aktuell? Ein Bestand von vorgestern, ein Lieferantenstatus vom Quartalsanfang, eine Freigabe mit abgelaufener Frist: Alle drei sind formal vorhanden, aber fachlich überholt. Diese Dimension wird am häufigsten übersehen und wirkt in Entscheidungssituationen am stärksten.
Der Reiz dieser Aufteilung liegt in der Diagnosefähigkeit. Ein Projekt, das an der Bedeutung scheitert, braucht andere Maßnahmen als eines, das an der Verfügbarkeit hängt. Wer im Mandat diese fünf Dimensionen in den ersten zwei Wochen für die drei wichtigsten Entscheidungsfragen des Unternehmens durchgeht, hat eine belastbare Grundlage für die Roadmap.
3. WARUM DER SCHNITTSTELLENWEG SCHNELL TEUER WIRD
Der naheliegende Weg führt über Punkt-zu-Punkt-Integration. Zwei Systeme müssen zusammenarbeiten, also entsteht eine Schnittstelle. Bei einer Handvoll Systeme funktioniert das gut und schnell. Die Rechnung kommt mit der Anzahl. Bei zwölf Systemen sind theoretisch 66 Verbindungen möglich, und jede davon trägt eine eigene Übersetzungslogik, eine eigene Fehlerbehandlung und eine eigene Abhängigkeit von der Versionierung beider Seiten. Ändert ein Fachbereich eine Definition, wandert diese Änderung einzeln durch jede betroffene Verbindung. Die Übersetzungsregeln liegen dabei im Code der Schnittstelle. Damit liegt fachliches Wissen an einer Stelle, an der Fachbereiche es weder einsehen noch pflegen können.
Data Warehouse und Data Lake verschieben dieses Problem an eine zentrale Stelle. Das bringt Ordnung in die Speicherung. Die Bedeutungsfrage bleibt jedoch bestehen: Ein Lake speichert zuverlässig, was ihm geliefert wird, einschließlich dreier Auftragsdefinitionen nebeneinander. Die Harmonisierung findet dann in den Auswertungen statt, also erneut verteilt und erneut in Code.
Für ein Mandat bedeutet dieser Weg eine Laufzeit, die die eigene Mandatsdauer übersteigt, und eine Übergabe, die schwer dokumentierbar bleibt.
4. DER SEMANTISCHE ANSATZ: EINE EBENE ÜBER DEN SYSTEMEN
Ein Semantic Layer setzt an einer anderen Stelle an. Er legt eine Bedeutungsebene über die bestehenden Systeme und beschreibt dort einmalig, was ein Begriff im Unternehmen bedeutet, in welchen Bezugsdimensionen er gilt und wie er sich zu anderen Begriffen verhält. Die Quellsysteme bleiben in Betrieb und behalten ihre eigene Logik. Die Verknüpfung entsteht auf der Ebene der Bedeutung.
Genau hier arbeitet MAKOR. Die Plattform liegt als semantische Integrationsschicht über ERP, MES, Sensorik, Dokumenten und Registern und führt deren Inhalte in einer gemeinsamen Ontologie zusammen. Ein Beispiel aus der Praxis: Drei Bereiche verwenden drei Bezeichnungen für dieselbe Organisationseinheit. In der Ontologie wird die Einheit einmal als Objekt beschrieben, die drei Bezeichnungen werden ihr als Benennungen zugeordnet, und die Bezugsdimensionen jedes Quellsystems werden hinterlegt. Ab diesem Punkt liefern Abfragen über alle drei Bereiche konsistente Ergebnisse, ohne dass ein Quellsystem angepasst wurde. Architektonisch lohnt eine Unterscheidung, die in Gesprächen mit IT-Verantwortlichen regelmäßig für Klarheit sorgt. Über den fachlichen Modulen liegt der Äther als übergeordnete Architekturschicht. Er trägt die semantische Grundstruktur:
Erfassung, Bezugssysteme, Herkunftsverfolgung, Zeitverlauf, Ontologie und die Verarbeitungslogik. Die fachlichen Module – Atlas, Socius, Chronos und Sense – setzen darauf auf und bilden konkrete Anwendungsfälle ab. Diese Rangfolge ist wesentlich: Die Bedeutungsebene ist einmal vorhanden und wird von allen Modulen gemeinsam genutzt. Damit entfällt der Aufwand, dieselbe Harmonisierung in jedem Anwendungsfall erneut aufzubauen. Für das Mandat entsteht daraus ein praktischer Vorteil. Der erste Anwendungsfall trägt den Aufbau der semantischen Basis. Jeder weitere Anwendungsfall greift darauf zu und wird entsprechend schneller. Das verändert die Argumentation im Lenkungskreis: Der zweite und dritte Use Case liefern ihren Nutzen innerhalb der Mandatslaufzeit.
5. NACHWEISFÄHIGKEIT ALS ARBEITSGRUNDLAGE
In regulierten Zusammenhängen – Lieferkettentransparenz, Digitaler Produktpass nach ESPR, Versicherungsprozesse, Berichtspflichten gegenüber Aufsichtsbehörden – reicht ein belastbarer Wert allein selten aus. Gefordert ist die Nachvollziehbarkeit seiner Entstehung.
MAKOR z. B. arbeitet dafür mit einem gestuften Nachweis-Modell (N1 bis N5), das den Reifegrad der Nachvollziehbarkeit beschreibt:
N1 – Der Wert liegt vor und ist seiner Quelle zugeordnet.
N2 – Die Bedeutung des Werts ist im Modell beschrieben und zwischen den Bereichen abgestimmt.
N3 – Die Transformationen von der Quelle bis zum Ergebnis sind lückenlos dokumentiert (Data Lineage).
N4 – Verantwortlichkeiten, Freigaben und Gültigkeitszeiträume sind hinterlegt und werden geführt.
N5 – Die vollständige Kette ist gegenüber Dritten nachweisbar und maschinell prüfbar.
Der Nutzen dieses Modells im Mandat liegt in der Sprache, die es erzeugt. Ein Lenkungskreis kann entscheiden, welche Entscheidungsfragen Stufe N3 brauchen und welche N5 erforderlich machen. Damit verschiebt sich die Diskussion von einer Grundsatzfrage auf eine Frage nach Zielniveau je Anwendungsfall, und der Aufwand wird planbar.
6. EIN ARBEITSSCHNITT FÜR DIE LAUFZEIT DES MANDATS
Aus mehreren Mandaten hat sich ein Schnitt bewährt, der sich in neun bis zwölf Monaten tragen lässt.
TAG 1 BIS 30 – ENTSCHEIDUNGSFRAGEN STATT SYSTEMLANDKARTE
Am Anfang steht die Frage, welche drei bis fünf Entscheidungen die Organisation regelmäßig trifft und welche Daten sie dafür zusammenführen muss. Diese Fragen werden durch die fünf Dimensionen geprüft. Das Ergebnis ist eine Diagnose, die den Aufwand pro Frage sichtbar macht – und ein Nebeneffekt, der im Mandat viel wert ist: Die Fachbereiche erkennen ihre eigene Expertise in der Beschreibung und tragen den Prozess mit.
TAG 31 BIS 90 – EIN ANWENDUNGSFALL BIS ZUM ENDE
Ein Anwendungsfall wird vollständig umgesetzt, einschließlich Ontologie-Modellierung für die beteiligten Begriffe, Herkunftsverfolgung und einem definierten Nachweisniveau. Die Auswahl folgt zwei Kriterien: fachliche Relevanz und überschaubare Systemanzahl. Ein Ergebnis, das im Lenkungskreis funktioniert, trägt die nächsten Schritte.
TAG 91 BIS 180 – BREITE ÜBER DIE GEMEINSAME BASIS
Der zweite und dritte Anwendungsfall greifen auf die bestehende semantische Basis zu. Hier zeigt sich der Effekt der Architektur in Zahlen, die sich berichten lassen: Zeit bis zum Ergebnis, Anzahl der Abstimmungsrunden, Aufwand für manuellen Abgleich.
AB TAG 181 – ÜBERGABEFÄHIGKEIT HERSTELLEN
Ein Mandat endet. Die Datenlage bleibt. Übergabefähigkeit entsteht dadurch, dass die fachlichen Definitionen im Modell liegen und für die Fachbereiche einsehbar sind, dass Verantwortlichkeiten benannt und die Governance-Prozesse eingeführt sind. Ein Semantic Layer hat hier einen strukturellen Vorteil: Das fachliche Wissen ist im Modell dokumentiert und damit auch nach dem Mandat zugänglich und pflegbar.
7. WAS DAMIT ERREICHBAR IST
Die Erwartung an solche Vorhaben ist gelegentlich hoch angesetzt. Ein Semantic-Layer schafft eine gemeinsame Bedeutungsgrundlage und macht Herkunft und Gültigkeit sichtbar. Die Bewertung eines Sachverhalts und die Entscheidung darüber bleiben bei den Menschen, die die Verantwortung tragen. Genau darin liegt die Stärke des Ansatzes: Die Fachbereiche behalten ihre Deutungshoheit und arbeiten auf einer Grundlage, die alle Beteiligten teilen.
Für uns als Interim Manager ist das eine gute Ausgangslage.
Unsere Aufgabe im Mandat besteht darin, eine Struktur zu schaffen, die nach unserem Abgang trägt. Eine dokumentierte Bedeutungsebene erfüllt dieses Kriterium. Die Technologie empfiehlt – der Mensch entscheidet.
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