UNITEDINTERIM Blog

Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

Interim Management im Automobilhandel

Es gibt scheinbar keine Branche, die sich nicht täglich neu erfinden muss. Neue Marktteilnehmer betreten - mittlerweile regelmäßig - das Spielfeld, um bestehende Geschäftsmodelle anzugreifen. Die Digitalisierung, der Trend zum Direktvertrieb und vieles mehr verlangen sowohl vom einzelnen Autohaus als auch von Automobilhandelsgruppen Geschwindigkeit und Flexibilität. Es geht um nichts Geringeres als um das Management des Wandels - bei gleichzeitiger, massiver Unsicherheit, ob man sich in die richtige Richtung transformiert. Und dies in einem Spannungsfeld aus niedrigen Margen und Umsatzrenditen von durchschnittlich 1,3% in 2019 (Quelle: ZDK - Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe e. V.).

Die Automobilhersteller richten ihre Strategie an politischen Umweltvorgaben, Lenkungssteuern, dem Wettbewerb und eigenen Überzeugungen aus. Die Zulieferer, die Logistikunternehmen und der Automobilhandel richten sich wiederum am Hersteller aus. Im Prinzip rennen alle Beteiligten den Automobilherstellern hinterher. Mitunter gehören häufige Richtungswesel zum Tagesgeschäft. Es geht also sowohl um Anpassungs- und Umsetzungsfähigkeit als auch um Geschwindigkeit. Kurz gesagt, um komplexes Change-Management.

Genau für solche Situationen sind Interim Manager prädestiniert. Der auf Ihr Anliegen passende Interim Manager funktioniert sofort, kennt Ihre Branche, die Prozesse und hat das entsprechende Netzwerk. Und genauso wichtig ist das Mindset. Interim Manager arbeiten mittlerweile überwiegend projektbezogen. Sie kennen den Druck des „fertigwerden müssen" und arbeiten und denken wie ein Unternehmer. Erfolgreiche Interim Manager sind genauso beweglich wie der Auftraggeber selbst.

Bevor ich explizit, und anhand konkreter Beispiele, auf Interim Management im Automobilhandel eingehe, möchte ich die wichtigsten Themen und Fragestellungen rund um das Thema Interim Management beleuchten. Damit Sie lieber Leser, und gegebenenfalls verantwortlicher Entscheider im Automobilhandel, ein Verständnis für das Thema entwickeln und die enormen Vorteile und Chancen, die sich daraus ergeben, erkennen und auf Ihre eigene Situation „übersetzen" können.

Interim Management - weit mehr als die Überbrückung von Vakanzen

Unter Interim Management wird vordergründig „Management auf Zeit" verstanden. Hierbei geht es um die Überbrückung von Vakanzen. Laut einer Studie des AIMP (Arbeitskreis Interim Management Provider) für das Jahr 2019 verteilen sich die Einsätze von Interim Managern auf folgende Kategorien:

- Change-Management (24%)

- Klassische Projektarbeit (23%)

- Projekt-Vakanz (21%)

- Restrukturierung (18%)

- Geschäftsaufbau (10%)

- Eigentumswechsel (4%)

Zusammengefasst entfallen also 68% auf Projekte, da es sich beim Change-Management ja ebenfalls um größere Transformationsvorhaben handelt. Interim Management ist also vielmehr als Vakanz-Überbrückung. Ganz im Gegenteil: Interim Management ist ein Lösungsgeschäft. Interim Manager werden dabei immer häufiger als zusätzliche Ressource eingekauft, um auf kurzfristige Anforderungen reagieren zu können.

Vorteile für Unternehmen

Die Vorteile für die Unternehmen liegen auf der Hand:

- Zusätzliche Management-Ressource die sofort „funktioniert"

- Unabhängigkeit durch Flexibilität

- Know-how Transfer in die eigene Belegschaft als Nebeneffekt

- Schnelle und fachkundige Umsetzung

„Wenn die Märkte jetzt nicht mehr nur ein „schnell", sondern ein „sofort" einfordern, wird die Fähigkeit sich zu wandeln und „schnell machen" zu können, zum strategischen Erfolgsfaktor." (Jürgen Becker, Harald Schönfeld, Günther Singer 2020); Karriere-Handbuch für Interim Manager; 4. Kapitel, Seite 145)

Was kostet Interim Management?

Der Tagessatz-Mittelwert betrug im Jahr 2019 lt. AIMP 1.124 Euro netto zzgl. Spesen. Grundsätzlich ist der Tagessatz von einer Vielzahl an Faktoren abhängig:

- Branche

- Unternehmensgröße

- Hierarchieebene

- Organstellung ja/nein

- Projektdauer

- Erfahrung des Interim Managers

- Engpass/Knappheit der Qualifikation

- Aktuelle Angebots- und Nachfragesituation

- Gesamtwirtschaftliche Situation

Entsprechend bewegen sich die Tagessätze in einer Bandbreite von 700 € netto zzgl. Spesen am unteren Ende und gut 2.800 Euro netto zzgl. Spesen am oberen Ende.

In der Praxis gilt die grobe Faustformel: Jahresbruttogehalt eines vergleichbar qualifizierten festangestellten Managers / 100 = Tagessatz.

Beschäftigungsformen

Der überwiegende Teil der Interim Manager arbeitet als freiberuflicher Solo-Selbständiger oder als 1-Mann-Gesellschaft. In dieser Konstellation stellt der Interim Manager dem Unternehmen eine entsprechende Rechnung aus (bzw. der Interim-Provider, sofern der Interim Manager über einen solchen Dienstleister vermittelt wurde).

Alternativ hierzu kann ein Interim Mandat aber selbstverständlich auch als befristete Festanstellung abgewickelt werden.

Am Ende kommt für das beauftragende Unternehmen meist das Gleiche raus. Der Tagessatz des Freiberuflers wirkt auf den ersten Blick teurer. Das liegt daran, dass sich ein Selbständiger selbst versichern muss, nicht in den Genuss von Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall kommt, keinen bezahlten Urlaub hat und für Zeiten ohne Mandat selbst Rücklagen zu bilden hat (lt. AIMP-Studie von 2020 betrug in 2019 die durchschnittliche Auslastung eines Interim Managers 154 Tage im Jahr). Zudem ist Zeit für Verwaltung und Akquise in der Kalkulation zu berücksichtigen.

Entsprechend muss man hier richtig vergleichen:

Bei der Variante „Befristete Festanstellung" hat das Unternehmen gut 20% Lohnnebenkosten für Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteile abzuführen. Hat aber auch den Vorteil, dass es das Gespenst der Scheinselbständigkeit in dieser Konstellation nicht gibt. Auch für den Interim Manager bedeutet dies weniger Administration und Sicherheit, was diesem ggf. einen Abschlag auf die Vergütung Wert ist.

Am Ende muss es für beide Seiten passen. Die Art der vertraglichen Ausgestaltung ist dann vielleicht auch eine Frage der Philosophie.

Projektbeispiele für den Automobilhandel

Seit August 2018 arbeite ich als Interim Manager. Fünf meiner sechs Mandate fanden im Automobilhandel statt. Nachstehend ein Auszug meiner Tätigkeiten, damit Sie sich ein Bild davon machen können, für welche Aufgabenstellungen Entscheider auf mich als Interim Manager gesetzt haben:

PROJEKTE

- Projektleitung für die ERP-Einführung „OneDealer"

- Projektleitung für den Rollout von „SAP Business One"

- Optimierung des Rechnungseingangsworkflows mit „d.3" und „JobRouter"

- Projektleitung „Zentrale Fahrzeugaufbereitung"

- Vorbereitung und Umsetzung von Zentralisierungsprojekten (Fibu, HR, IT etc.)

- „Projektrettungen" aller Art

- Begleitung eines Konzernumbaus (dezentral -> zentral)

VAKANZ-ÜBERBRÜCKUNG ALS PERSONALLEITER

- Bestandsaufnahme des gesamten kaufmännischen Bereichs inkl. HR

- Re-Organisation der Aufgaben- und Verantwortungsbereiche

- Erarbeitung konkreter Vorschläge zur Digitalisierung des Personalwesens

- Vorbereitung der entsprechenden Ausschreibung (Personalmanagement-System)

- Einführung des neunen Personalmanagement-Systems

- Definition von Prozessen und Implementierung der digitalen Workflows

- Digitalisierung der Personalakten

- Re-Organisation der durchzuführenden Pflichtuntersuchungen und des BEM

SANIERUNG UND RESTRUKTURIERUNG

- Zuarbeit zum Sanierungsgutachten nach IDW S6

- Umsetzung insolvenzrechtlicher Prozesse und Vorgaben

- Bewertung von Standorten unter Vollkosten

- Plausibilisierung der bis dato vorliegenden Monatsergebnisse

- Überprüfung sämtlicher Bonusabgrenzungen gegenüber den Herstellern

- Identifizierung von schnell realisierbaren Ergebnispotentialen

- Straffung des Debitorenmanagements mit sofortiger Umsetzung

KOSTENSENKUNG

Ausschreibung folgender Dienstleistungen:

- Fahrzeugaufbereitungskosten

- Energiekosten

- Versicherungen

- Unterhalts- und Glasreinigung

- Grundstücksaufwendungen (Grünflächen und Winterdienst)

- Payment-Gebühren

- Benzinkosten

- Büromaterial

- Objektsicherheit

- u. v. m.

Mehr zum Thema Kostensenkung finden Sie auch in meinem Blogbeitrag vom 24.08.2020: https://www.unitedinterim.com/blogs/sonstige-betriebliche-aufwendungen-sagen-sie-nicht-sie-koennen-nichts-mehr-einsparen.html

Interim Manager: Die Experten für die Umsetzung

Der wesentliche Unterschied zwischen Unternehmensberatungen und Interim Managern liegt in der Umsetzung, der eigentlichen Königsdisziplin. Interim Manager werden für einen festen Zeitraum integraler Bestandteil der Belegschaft. Unternehmen arbeiten immer stärker Projektbezogen. Dafür benötigen sie immer häufiger frische und passgenaue Expertise von außen - aber meist nur für einen bestimmten Zeitraum. Der Einsatz von spezialisierten und branchenerfahrenen Interim Managern ist dabei das Mittel der Wahl: Consulting und Umsetzung in einem! Dabei können Interim Manager auf den Empfehlungen von Beratern aufsetzen oder auf ihrer eigenen Bestandsaufnahme. Die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen sind dann eng mit dem Auftraggeber abzustimmen und in eine Zielstruktur zu überführen.

Ausblick

Der Markt für Interim Management wird weiter wachsen, wenngleich in Krisenzeiten schmerzliche Rückgänge zu verzeichnen sind. Für die Jahre 2021/2022 rechnen die Branchenexperten Jürgen Becker und Dr. Harald Schönfeld allerdings mit einem spürbaren Nachholbedarf durch Restrukturierungen und nachzuholenden bzw. zu beschleunigende Transformationsprojekte.

Die Zukunft der Arbeit ist digital, mobil, flexibel, global und zunehmend projektbezogen. Interim Management als Lösungsgeschäft wird sich mittelfristig zum Standard entwickeln und nicht mehr wegzudenken sein, auch, weil die Erfolgsbilanz im Projektmanagement in vielen Firmen desaströs ist. Viele Projekte werden abgebrochen oder verzögern sich massiv.

Unternehmen sind deshalb gut beraten, ihrer Belegschaft strategisch wichtige Transformationsvorhaben nicht „nebenbei" und „on top" zuzumuten.

Beenden möchte ich diesen Blog-Beitrag mit einem Zitat:

„Menschen, die diesen Wandel gestalten und zielgerichtet treiben können, werden zunehmend erfolgsrelevant. Die Punktgenaue Nutzung aller Personal- und Managementressourcen ist daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Unternehmen." (Jürgen Becker, Harald Schönfeld, Günther Singer 2020); Karriere-Handbuch für Interim Manager; 4. Kapitel, Seite 141)

Ulf Camehn
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