Transformation beginnt nicht mit Analyse, sondern mit Entscheidung.
Hier ist meine Geschichte.
Kurz nach meinem Studium wurde mir meine erste Führungsaufgabe übertragen. Ich leitete einen Produktionsabschnitt mit gut 40 Montage-Facharbeitern in einem Automobilwerk.
Der Start war für mich nicht einfach, ich hatte nach schwierigen Tagen auch Selbstzweifel. Ich musste sehr oft kurzfristig Entscheidungen treffen. Entscheidungen, die darauf fokussiert waren alles zu tun, damit es zu keinen Stillständen der Fertigungslinie kam. Eine Minute Bandstillstand bedeutete den Umsatzverlust im Gegenwert eines Fahrzeuges.
Aus Selbstzweifeln wurde schnell tägliches Reflektieren des Tages und meiner Entscheidungen.
Gelerntes von damals: Wer in einem Fertigungsprozess Verantwortung trägt, muss im entscheidenden Moment ohne Zögern handeln.
Es bleibt keine Zeit, um mehr Informationen einzuholen oder eine Analyseschleife zu drehen: Die Fertigungslinie muss laufen.
Diese Zeit meiner ersten Führungsaufgabe war enorm wertvoll für mich. Ich habe mich binnen weniger Wochen weiterentwickelt. Ich entwickelte ein Format, das im Studium nicht vermittelt wird.
Warum nutze ich diese Einleitung im Kontext zu meiner Überschrift?
Ich weiß heute, dass diese Zeit für mich prägend war. Sie hat mich zu der Führungskraft gemacht, die durch schnelle Entscheidungen Veränderungen vorantrieb und Erfolge erzielte.
Ich habe in sehr vielen Projekten erkennen müssen, dass es
- Führungskräften im Allgemeinen schwerfällt, schnelle Entscheidungen zu treffen.
- essentiell ist, hinter seinen Entscheidungen zu stehen und das Erreichte kontinuierlich zu verbessern.
- in den meisten Fällen keinen Sinn macht, eine Entscheidung zu revidieren. Es kommt allenfalls zu Verzögerungen.
Im Arbeitsleben einer Führungskraft ändern sich ständig Rahmenbedingungen. Das ist in allen Branchen so.
Zu nennen sind unter anderem
- gesetzliche Anforderungen
- die Marktlage und Veränderungen im Wettbewerb
- innerbetriebliche Veränderungen, die eine schnelle Reaktion erfordern
- neue Technologien
Und für mich die größte Gefahr: Unternehmen erkennen zu spät, dass ihr Portfolio veraltet ist.
Das alles muss eine Führungskraft bewältigen.
Am Beginn steht das Erkennen der Notwendigkeit. Danach müssen Entscheidungen folgen.
Zögerlichkeit ist immer ein schlechter Berater. Probleme lösen sich nicht von alleine.
Warum ich das so sehe?
Weil eine Transformation scheitern kann. Und weil Mut dazugehört, eine misslingende Transformation zu stoppen und neu zu starten. Genau dann verändert sich meist alles.
Eine Führungskraft muss mutig vorangehen, damit Transformation überhaupt stattfindet.
Viele Organisationen verwechseln Aktivität mit Fortschritt:
- eine anstehende Veränderung wird offiziell im Kick-Off-Meeting ausgerufen,
- aber die Transformation kommt nicht voran, weil sie vom Besprechungskalender erstickt wird.
In der Umsetzung sehe ich übrigens immer wieder das gleiche Muster:
- es gibt genug Informationen;
- es gibt genug Kompetenz;
- es gibt genug Menschen, die handeln wollen.
Was fehlt, ist ein klarer Schritt nach vorn.
Wirkung entsteht erst dann, wenn jemand Verantwortung übernimmt und sagt: „Wir gehen jetzt diesen Weg."
Hierin liegt aus meiner Sicht eine wichtige Rolle für einen Interim Manager:
- Prioritäten erkennen und fokussieren;
- Optionen reduzieren, den eingeschlagenen Weg konsequent gehen;
- Entscheidungen ermöglichen durch Dialog;
- Verantwortung dorthin geben, wo sie getragen werden kann;
- Momentum erzeugen, statt zu diskutieren.
Ich bin gerne Interim Manager. Wohl deshalb, weil mir Projektarbeit Spaß macht. Ich wurde in äußerst schwierige Projekte geschickt und habe Ergebnisse geliefert.
- Mit Mut zum Risiko, auch in belastenden Situationen.
- Mit dem Ehrgeiz, zu korrigieren, was besser laufen sollte – statt Erreichtes zu verwalten.
- Mit dem Wissen, dass nicht alle Involvierten meine Entscheidung mittragen. Diese Menschen habe ich immer „abgeholt", meine Entscheidung erklärt, zugehört, involviert. Zusammen – nichts ist wichtiger für das Gelingen.
Mein Fazit: Wenn klar ist, dass es so nicht weitergeht, braucht es keine weitere Analyse, sondern Verantwortung.
Transformation beginnt dort, wo jemand bereit ist, eine Entscheidung zu treffen, die Konsequenzen hat. Alles andere ist Verzögerung. Verzögerung ist in Veränderungsprozessen der teuerste Fehler.
PROFIL VON MATTHIAS BECKER BEI UNITEDINTERIM - AUF DAS PROFESSIONELLE INTERIM MANAGEMENT SPEZIALISIERTE PLATTFORM FÜR DIE DACH-REGION
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