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Case-Studies und Blogbeiträge von professionellen Interim Managern und Interim Managerinnen

Globale Märkte in der Krise

Der Ukraine-Krieg hat die Sichtweise auf strategisches Lieferantenmanagement deutlich geschärft, aber auch das Vertrauen in globale Kooperationen (z. B. Zusammenhalt des Westens, Gespräche mit arabischen Ländern etc.). Kostenreduktion durch SINGLE SUPPLIER SOURCING wird wohl bei wichtigen Lieferanten eher der Vergangenheit angehören.

Ziel ist es auch, geographisch zu diversifizieren, zugunsten stabiler Zulieferketten. Das wird aber mit höheren Kosten verbunden sein. Ein NEARSHORING in größerem Ausmaß wird es aus unterschiedlichen Gründen (Kosten, Ressourcen, Arbeitskräftemangel) eher nicht geben.

Auch aus Sicht von wirtschaftspolitischen Überlegungen ist das nicht anzustreben. In Österreich ist jeder Dritte Arbeitsplatz vom Export abhängig, also wird eine wirtschaftsnationale Einstellung dem entgegenstehen.

Starke Sanktionen führen zu höheren Lagerbeständen, reduzierter Produktion, Lieferkettenproblemen, Rohstoffverknappung und höheren Preisen generell sowie gefährdeten Arbeitsplätze. Es gilt die Belastbarkeit des eigenen Geschäftes herauszufinden, wie z.B. Durchsetzbarkeit höherer Preise, vorhandene Lagerflächen, Transportkapazitäten, Logistik und Transportketten, Finanzierungsmöglichkeiten usw.

https://www.wirtschaftsdienst.eu/inhalt/jahr/2016/heft/7/beitrag/folgen-der-sanktionen-zwischen-der-eu-und-russland-fuer-die-deutsche-wirtschaft.html

Ab einer bestimmten Preisschwelle kommen Produkte und Branchen generell unter Druck oder müssen überhaupt stark reduziert werden, zumindest was Massenware und Massenproduktion betrifft. Die Abhängigkeit von russischem Gas deutlich zu reduzieren, wird zumindest 3 bis 5 Jahre in Anspruch nehmen.

Es wäre an der Zeit, Energiesparen zu kommunizieren, sowohl in der Wirtschaft, als auch für private Haushalte. Einkommensschwache Haushalte zu unterstützen, ja, aber nur diese, alles andere heizt die Inflation noch mehr an.

Soweit einzelne Länder Ausfuhrverbote, wie z.B. Indonesien für Palmöl, verhängen, steigen die Preise noch mehr. Letztlich werden sich, wenn die Inflation nicht wieder auf ein vernünftiges Maß, irgendwo um 2% bis 4% reduziert wird, die Auswirkungen negativ auf die Unternehmensgewinne und damit die Stabilität der Unternehmen und die Arbeitslosenrate auswirken.

Verstärkt wird das durch steigende Zinsen. Auch wenn Banken von steigenden Zinsen erst einmal profitieren, werden auf der anderen Seite die Kreditnachfrage zurückgehen und die Kreditausfälle zunehmen. Auch die Aktienmärkte werden zunehmend unter Druck kommen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Zinsniveau

Europa als wichtiger internationaler Player wird neue Wege suchen müssen, um im Wettbewerb zu bestehen, insbesondere durch Knowhow-Vorsprung wie beispielsweise in Umwelttechnologien, umfassenden Produktlösungen, Recyclingfähigkeit, Langlebigkeit und Kreislaufwirtschaft.

Aber auch die Modernisierung von Industriesparten, in denen Europa ohnehin führend ist, wie z.B. Maschinenbau, Pharmazie und andere. Einen Erfahrungsvorsprung in diesen Bereichen gibt es bereits.

Dazu gehören Kooperationen auf europäischer Ebene, aber auch auf internationaler Ebene gerade im Bereich der Digitalisierung, Robotik und ähnliche Technologien, in den Europa Nachholbedarf hat.

Das sollte begleitet werden von modernen Wirtschaftsgesetzen. die deutlich schnellere Entscheidungen ermöglichen (z.B. Baugenehmigungen). Dass die rechtlichen Rahmenbedingungen Orientierung, Stabilität und Sicherheit geben müssen, ist hinlänglich bekannt und in Europa weitgehend auch gegeben. In wichtigen wirtschaftlichen Bereichen wäre eine Angleichung des Rechts einzelner EU-Nationalstaaten in EU-Recht durchaus wünschenswert, zumindest überall dort, wo nationales und EU-Recht vereinbar sind, ohne an den Grundsätzen des nationalen Rechts zu rütteln (z.B. keine komplizierten Verfassungsänderungen, das dauert ewig und wird dadurch vermutlich nicht einfacher).

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/ukraine-krieg-energie-weltwirtschaft-1.5589825

Krise als Chance! Politik und Wirtschaftstreibende haben es in der Hand, auf Basis einer nachvollziehbaren Zielsetzung und Strategie, die nicht getragen ist vom politischen Wettstreit der Parteien, sondern von einer langfristigen visionären Konzeption, mit konkreten Umsetzungsplänen, aus der Krise eine Chance zu machen.

Solange die tagespolitischen Ankündigungen wichtiger sind, als konkrete langfristige Konzepte und Umsetzungsmaßnahmen, wird das aber nur teilweise gelingen, deutlich mehr Zeit benötigen und viel mehr kosten.

Es wäre an der Zeit, den politischen Wettstreit in die Parlamente zu verlegen und die Exekutive an den Handlungen und deren Wirkung und nicht an den Ankündigungen zu messen.

Josef Bachler MBA
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